Einbruch ins Krebsgewebe
Neue Therapie macht Blutgefäße von Tumoren für Medikamente durchlässiger
Ein neuer Behandlungsansatz könnte künftig Krebstherapien wesentlich effizienter gestalten. Die von US-Forschern entwickelte Methode macht für eine kurze Zeitspanne die Blutgefäße rund um den Tumor durchlässiger, so dass Medikamente besser in das Gewebe eindringen und ihre Wirkung effektiver entfalten. Der Mechanismus dürfte sowohl die Wirkung verschiedener Krebstherapien deutlich steigern als auch zu einer genaueren Diagnostik von Krebsgeschwulsten beitragen.
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Bei den meisten Krebstherapien werden die Tumore mit Medikamenten oder Strahlen angegriffen, die ihr Gewebe nach und nach zerstören sollen. So werden bei der Chemotherapie Substanzen verwendet, die eine toxische Wirkung auf die Krebszellen ausüben. Diese Therapieform ist bei manchen Krebsarten sehr effizient wie zum Beispiel bei Hodenkrebs oder beim Hodgkin-Lymphom, einem bösartigen Tumor des Lymphsystems. Bei vielen anderen Krebserkrankungen ist die Chemotherapie jedoch weniger erfolgreich. Ein Grund dafür ist, dass die Wirkstoffe, die über die Blutbahn zum Tumor gelangen, nicht in ausreichender Menge in das Gewebe eindringen und dort auch oft nicht lange genug verbleiben.
Nun haben die Forscher um Lisa Coussens von der University of California in San Francisco einen Weg entdeckt, wie Wirkstoffe über die Blutbahn besser in die Krebsgeschwulst eindringen. Dabei nutzten sie den spezifischen Aufbau von Tumoren, um diese zu Fall zu bringen: Krebsgeschwulste besitzen sich um herum ein Geflecht aus Blutgefäßen, die sehr ungeordnet gewachsen und häufig sehr dicht strukturiert sind. Medikamente können zwar in den Tumor vordringen, weil aber dort der Gewebedruck hoch ist, breiten sie sich oft nur schlecht aus. Durch Untersuchungen an Mäusen fanden die Wissenschaftler nun heraus, dass die Tumorblutgefäße für einen bestimmten Zeitraum deutlich durchlässiger werden, wenn man ein Molekül namens ALK5 blockiert. Dieses ist ein wesentlicher Bestandteil der Signalübertragung zu den Blutgefäßen.
Das Ausschalten von ALK5 dürfte dazu beitragen, die Therapie und die die Diagnostik von Krebs zu optimieren. Denn das Zeitfenster kann dazu verwendet werden, den Tumor zu "öffnen" und Medikamente zur Krebsbekämpfung einzuschleusen. Zudem hat die Methode das Potenzial, Medikamentierungen jenseits der Chemotherapie zu verbessern, bei denen auch Wirkstoffe über die Blutbahn in den Tumor transportiert werden. Durch die Inaktivierung von ALK5 dringen auch die Moleküle besser in den Tumor ein, die als optische Marker in der Bildgebung von Krebsgeschwulsten Einsatz finden: Die Diagnostik der Geschwulste wird präziser.
Lisa Coussens (University of California, San Francisco) et al.: Disease Models and Mechanisms (Band 3, Ausgabe 5/6)
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein

















