Immunabwehr verstärkt Schlaganfall
Mäuse ohne T-Zellen erleiden harmlosere Hirnschläge als normale Artgenossen
Für die Abwehr von Krankheitserregern sind beim Menschen unter anderem die T-Zellen zuständig, die in den Blutbahnen patrouillieren. Deutsche Forscher haben nun bei Versuchen mit Mäusen einen gefährlichen Nebeneffekt der Körperpolizei festgestellt: Je mehr Immunzellen im Blut sind, desto kritischer verlaufen Schlaganfälle.
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Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall. Die Ursache ist meistens eine Verstopfung der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen. Wer einen Schlaganfall überlebt, kann schwere Behinderungen wie Sprachstörungen oder Lähmungen davontragen. Verstopft werden die Blutgefäße in der Regel von verklumptem Blut, weshalb die Suche nach besseren Therapien auch bei der Blutgerinnung ansetzt, die zur Bildung der Pfropfen führt. Umso erstaunter waren nun Würzburger Wissenschaftler, als sie an anderer Stelle fündig wurden: Auch die T-Zellen des Immunsystems spielen beim Schlaganfall eine Rolle.
Die Arbeitsgruppe hat festgestellt, dass Mäuse, denen wegen eines genetischen Defekts T-Zellen fehlen, kleinere Schlaganfälle als normale Artgenossen erleiden. Außerdem entwickeln sie nach dem Schlaganfall weniger neurologische Ausfallerscheinungen wie etwa Lähmungen. Fazit: T-Zellen haben einen negativen Effekt auf den Verlauf von Schlaganfällen. "Dass T-Zellen bei akuten Schlaganfällen eine derart schädigende Wirkung ausüben, kam für uns völlig überraschend", berichtet Kleinschnitz.
Unklar ist noch, wie die T-Zellen einen Schlaganfall verstärken. Zwei mögliche Mechanismen haben die Würzburger Wissenschaftler in ihren Experimenten ausgeschlossen. Erstens fördern die T-Zellen nicht die Verklumpung der Blutplättchen untereinander, und zweitens befeuern sie die Blutpfropfen-Bildung auch nicht durch eine Immunreaktion.
Die Forscher hoffen, dass ihre weiteren Arbeiten die Schlaganfall-Therapie beim Menschen verbessern helfen. Falls die Befunde auf den Menschen übertragbar sind, könnten sich neue Ansätze durch eine gezielte Beeinflussung der T-Zellen ergeben. Denkbar ist es zum Beispiel, in der Frühphase eines Schlaganfalls die schädliche Fraktion der T-Zellen vorübergehend auszuschalten und so die Ausfallerscheinungen zu lindern.
Christoph Kleinschnitz (Universität Würzburg) et al.: Blood, doi: 10.1182/blood-2009-10-249078
ddp/wissenschaft.de – Rochus Rademacher


















