Appetit macht Insulin Beine
Vorfreude aufs Essen und das Diabetesrisiko hängen zusammen
Wenn einem nicht schon beim Geruch frischgebackenen Brotes das Wasser im Mund zusammenläuft, sollte man seinen Blutzuckerspiegel im Auge behalten: Es könnte sein, dass ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, den sogenannten Alterszucker, besteht. Das legt jetzt eine Studie amerikanischer und schwedischer Forscher nahe. Sie konnten nachweisen, dass Veränderungen in einem bestimmten Gen zumindest bei einigen Menschen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Diabetes 2 einhergehen. Die gleichen Genveränderungen beeinflussen jedoch auch, ob das vegetative Nervensystem schon beim Gedanken an Essen – sozusagen als Vorbereitung auf die Verdauung – die Regulationsmaschinerie für den Blutzuckerspiegel anwirft. Es scheint demnach also eine Verbindung zwischen der Reaktion auf Essensdüfte und dem Diabetesrisiko zu geben, berichten Vann Bennett vom Howard Hughes Medical Institute in Chevy Chase und seine Kollegen.
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Wer Essen riecht, schmeckt oder sich auch nur auf eine üppige Mahlzeit freut, löst damit normalerweise unbewusst verschiedene Vorgänge in seinem Körper aus: Das vegetative Nervensystem beginnt, die Speichelbildung zu erhöhen und verstärkt zudem die Insulinproduktion, um für die kommenden Nährstoffe, insbesondere den Zucker, gerüstet zu sein. Gesteuert wird diese Reaktion unter anderem von einem Gen, das den Bauplan für ein kleines Protein namens Ankyrin-B enthält. Ist es allerdings beispielsweise durch eine Veränderung im Gen defekt, kann auch die vegetative Reaktion nicht wie üblich eingeleitet werden, das hatten bereits frühere Studien bei Mäusen ergeben. So stieg der Blutzuckerspiegel der Tiere mit Gendefekt nach dem Verzehr zuckerhaltigen Futters ungewöhnlich stark an – vermutlich, weil die vom vegetativen Nervensystem ausgelöste Reaktionskette nicht vollständig ablief und sich folglich auch der Insulinspiegel nicht bereits beim Wahrnehmen des süßen Geschmacks erhöhte.
In der neuen Studie wollten die Forscher nun testen, ob dieser Defekt auch das Diabetesrisiko beim Menschen beeinflusst. Dazu scannten sie die Gene von 524 Diabetes-Patienten und verglichen sie mit denen von 498 Kontrollpersonen ohne Zuckerkrankheit. Hauptaugenmerk lag dabei auf drei Genveränderungen, von denen bereits bekannt ist, dass sie einen Ankyrin-B-Funktionsverlust hervorrufen. Ergebnis: Vor allem eine der Veränderungen war tatsächlich mit einem erhöhten Risiko für Diabetes vom Typ 2 assoziiert. Die Forscher dämpfen allerdings die Hoffnung, nun sei endlich DAS Diabetes-Gen identifiziert: Der Zusammenhang gilt nur für etwa ein Prozent der Betroffenen. Trotzdem halten sie ihre Entdeckung für wichtig, denn sie könnte ihrer Ansicht nach helfen, individualisierte Therapien zu entwickeln – schließlich sei Diabetes eines sehr komplexe Erkrankung, die vermutlich bei jedem einzelnen von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird.
Vann Bennett (Howard Hughes Medical Institute, Chevy Chase) et al.: Science Signaling, Bd. 3, Nr. 113
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















