Mit Socken gegen das offene Bein
Kleidung mit medizinischem Nutzen: Neues Gewebe soll Diabetikern helfen und den Transport von Spenderorganen verbessern
Die Behandlung eines offenen Beines bei Diabetikern könnte künftig durch Socken mit Zusatzfunktion ergänzt werden: US-Forscher haben ein Gewebe entwickelt, das gleichmäßig Stickstoffmonoxid abgibt und dadurch die Heilung beschleunigen könnte. Stickstoffmonoxid beeinflusst unter anderem die Durchblutung und spielt als Botenstoff bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen eine wichtige Rolle. Aufgrund seiner durchblutungsfördernden Eigenschaften könnte das neu entwickelte Material auch beim Konservieren von Spenderorganen bis zum Einpflanzen hilfreich sein, erste Versuche mit Rattenherzen seien vielversprechend verlaufen, berichten Harvey Liu und Kenneth Balkus von der University of Texas in Dallas.
ANZEIGE
Stickstoffmonoxid (NO) wird im medizinischen Bereich bereits als Gas zur Gefäßerweiterung eingesetzt, beispielsweise bei Herztransplantationen oder Lungenhochdruck. Seit längerem ist zudem bekannt, dass die körpereigene Produktion von NO bei Diabetikern reduziert ist, weshalb eine zusätzliche NO-Versorgung die Wundheilung fördern könnte. Allerdings gestaltete sich die Anwendung auf diesem Gebiet bislang aufgrund des gasförmigen Zustands als schwierig. Zwar wurden zur Konservierung von Spenderorganen bereits NO-haltige Cremes entwickelt und erprobt. Diese hatten jedoch den Nachteil, dass sie nicht rückstandsfrei wieder entfernt werden konnten, ein unerwünschter und unkontrollierter Einfluss auf den Körper des Empfängers war somit nicht auszuschließen.
Liu und Balkus setzten nun auf sogenannte Zeolithe. Zeolithe kommen zum einen in der Natur vor: Es sind Silikat-Mineralien, die sehr porös sind und dadurch eine besonders große Oberfläche aufweisen. Diese Eigenschaften teilen sie mit den künstlich erzeugten Zeolithen, die aus den Grundbausteinen Silizium und Aluminium bestehen und daher zu den Alumosilikaten zählen. Zum Binden des Stickstoffmonoxids verwendeten die Wissenschaftler nun aus Zeolith A gesponnene Fäden, die sich zu einem Gewebe verarbeiten ließen. Sie lösten aber auch noch ein anderes Problem: Ihr Material setzt das Stickstoffmonoxid nicht schlagartig frei, sondern erst nach und nach. Das verdankt das Gewebe einer Ummantelung aus wasserabweisenden Kunststofffasern. Nach dem Aufbringen dieser sogenannten Polylactidfasern auf den Zeolith erhitzten die Forscher das Material, wodurch der Kunststoff das Alumosilikat vollständig umschloss. In ersten Versuchen mit Rattenherzen, die in das neue Gewebe gehüllt wurden, bestätigte sich bereits die durchblutungsfördernde Wirkung.
Harvey Liu und Kenneth Balkus (University of Texas, Dallas): Chemistry of Materials, Bd. 21, Nr. 21, S. 5032, doi:10.1021/cm901358z
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht

















