Blick ins Gedächtnis
Gehirnscan visualisiert die Erinnerung an ein Gesicht
Aufnahmen des Gehirns zeigen, ob ein Mensch ein Gesicht kennt oder nicht. US-Wissenschaftler haben eine entsprechende Klassifizierungssoftware erarbeitet, indem sie 16 Testpersonen Gesichter beurteilen ließen und dabei mit der bildgebenden Magnetresonanztomographie ihre Gehirnaktivitäten untersuchten. Jeder Proband schaute sich Hunderte von Gesichtern an und absolvierte dann einen Erkennungstests, wobei ihm jeweils zur Hälfte bekannte und neue Gesichter gezeigt wurden. In den gemessenen Gehirnaktivitäten haben die Wissenschaftler ein übereinstimmendes Muster gefunden, das sich zeigt, wenn ein Mensch ein Bild erstmals zu Gesicht bekommt. Als Lügendetektor funktioniert die Software allerdings nur bedingt: Sie bewertet nur das subjektive Gedächtnis.
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In dem Experiment der Forscher um Jesse Rissman von der Stanford University schauten sich die Versuchspersonen jeweils vier Sekunden lang 210 Gesichter an. Nach einer Stunde startete dann der standardisierte Erkennungstest: Während ihre Gehirnströme visualisiert wurden, bekamen sie für zwei Sekunden ein Gesicht gezeigt und mussten beurteilen, ob sie es vorher schon gesehen hatten und ob sie in ihrer Bewertung ganz sicher sind oder nicht. Um eine stabile Datenbasis aufbauen zu können, musste jeder Proband 400 dieser Bewertungen durchführen, wobei 100 Messungen gemacht wurden. Die Hälfte der Porträts war neu und die durchschnittliche Wiedererkennungsrate lag bei 70 Prozent.
In den Magnetresonanzaufnahmen wurden anschließend Muster gesucht und nach der Klassifizierung eine Analysesoftware programmiert. "Sie besitzt die Fähigkeit der Beurteilung, ob ein vorgegebenes Gesicht von einem Menschen subjektiv als neu oder alt empfunden wird", schreiben die Wissenschaftler. Auch lasse sich beurteilen, ob eine sichere Erkennung vorliege und ob die Versuchspersonen eine starke oder schwache Ähnlichkeit feststellten.
Eingesetzt werden soll die Software in der Hirnforschung – und vor Gericht. Doch als Lügendetektor funktioniert die Technik nur bedingt: In einer zweiten Versuchsreihe konnten die Wissenschaftler nämlich aus den Bild gewordenen Gedanken ihrer Testpersonen nicht nachweisen, ob sie die Gesichter objektiv als alt oder neu erkannt haben. Die Probanden mussten dieses Mal vor dem Test die Porträts nicht präzise anschauen, sondern nur ihre Attraktivität beurteilen. In der ersten Hälfte der Messphase wurden sie dann gebeten, bei jedem Bild zu sagen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt – in der zweiten Hälfte wurde wieder die Erinnerung abgefragt. Wenn nun Versuchspersonen eine Wiedererkennung eines Gesichts meldeten, konnte die Software aus den Gehirnaktivitäten nicht klar herauslesen, ob es wirklich als neu erkannt worden war.
Jesse Rissman (Stanford University) et al.: PNAS
doi/10.1073/pnas.1001028107
ddp/wissenschaft.de – Rochus Rademacher

















