Die Freundschaft macht´s
Beziehungsanalyse bei Pavianen: Enge Sozialkontakte sind lebensverlängernd
Besonders enge Freundschaften wirken sich positiv auf ein langes Leben aus. Das hat ein amerikanisch-britisches Forscherteam bei freilebenden Primaten herausgefunden. Damit widerlegten sie ihre ursprüngliche Annahme, dass eine höhere Stellung in einer Gruppe der Hauptfaktor für Langlebigkeit sei. Die beobachteten weiblichen Paviane im südafrikanischen Botsuana führen beständige und feste Beziehungen mit ausgewählten Partnerinnen, besonders mit nahen Verwandten und Altersgenossen. Dabei leben die Tiere mit den engsten Bindungen am längsten. Ein solcher Zusammenhang könnte auch für Menschen gelten.
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Über einen Zeitraum von sieben Jahren haben die Anthropologen um Joan B. Silk von der University of California Los Angeles im Okavango-Delta im Süden Botsuanas das Verhalten freilebender weiblicher Paviane beobachtet. Die Anzahl der Tiere veränderte sich über den Zeitraum, im Schnitt waren es 27. Im Mittelpunkt der Studie standen soziale Bindungen unter den Tieren, deren Stärke durch die Anzahl, Dauer und Intensität der gegenseitigen Pflege bestimmt wurde.
Die Beziehungen der Weibchen zu ihren drei bevorzugten Partnerinnen wiesen große Unterschiede auf: Manche Affen wechselten ihre Partnerinnen häufig, andere blieben ihnen dauernd treu. Die beständigsten Beziehungen traten bei den Weibchen mit den engsten Bindungen auf. Allgemein bevorzugten die Paviane der Gruppe zwar Kontakte zu nahen Verwandten, es entstand jedoch auch sehr enge Vertrautheit unter Weibchen, die keine Familienbande besaßen.
Zunächst waren die Forscher davon ausgegangen, dass hochrangige Gruppenmitglieder durch ihren bevorzugten Zugang zur Nahrung einen entscheidenden Vorteil hätten. Dieser Vorsprung beeinflusst die Langlebigkeit jedoch in geringerem Maße als bisher angenommen. Nach den Ergebnissen ist nicht die Stellung in der Gruppe am wichtigsten, sondern die Qualität und Stabilität von sozialen Beziehungen. Hochrangige Pavian-Weibchen sind durch die von ihnen beanspruchte bessere Nahrung zwar fitter als ihre Artgenossen von niedrigem Rang. Starke und beständige Beziehungen könnten diesen Nachteil jedoch ausgleichen, schreiben die Wissenschaftler. Pavian-Paare mit gerechten Pflegebeziehungen besaßen auch die stärksten sozialen Bindungen. Gegenseitige Pflege erhöhte demnach die Qualität der Beziehung und trug nachhaltig zu einer Verlängerung der Lebenszeit bei.
Dass enge Beziehungen zu einem längeren Leben führen können, ist damit geklärt. Der Grund dafür hingegen noch nicht. Die Wissenschaftler vermuten, dass dafür ein gesenkter Stresslevel ausschlaggebend ist. Auch bei Menschen zeigt sich, dass in bestimmten Kulturen soziale Integration zu einem längeren Leben führt: Sozialer Rückhalt habe große, positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem, berichten die Wissenschaftler. "Gute Freunde zu haben, ist für Menschen genauso wichtig wie für die beobachteten Pavian-Weibchen" erklärt Silk. "Wir gehen davon aus, dass die menschliche Motivation zu engen und dauerhaften Freundschaften eine lange Evolutionsgeschichte besitzt."
Joan B. Silk (Department of Anthropology, University of California Los Angeles) et al.: Current Biology, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1016/j.cub.2010.05.067
ddp/wissenschaft.de – David Köndgen


















