Haarige Landkarte
Getränke hinterlassen geographischen Fingerabdruck in den Haaren
Wenn jemand Wasser, Bier oder Erfrischungsgetränke trinkt, kann dies Anhaltspunkte auf seinen Aufenthaltsort geben. Denn die Getränke hinterlassen im Haar charakteristische Spuren, die verraten, wann eine Person an welchem Ort gewesen ist. Dies hat ein Forscherteam um Lesley Chesson von der University of Utah in Salt Lake City herausgefunden. So enthalten die Getränke ähnliche Wasserstoff- und Sauerstoffformen wie das Leitungswasser einer Region, die beim Konsum dann ins menschliche Haar eingebaut werden. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, im Sinne des Verbraucherschutzes die genaue Herkunft von Getränken festzustellen und die Reisebewegungen von Kriminellen nachzuvollziehen.
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Beim Trinken nimmt der Körper Wasserstoff- und Sauerstoff-Atome aus dem Wasser auf und baut diese in körpereigene Proteine ein. Zu ihnen gehört auch das Keratin – der Hauptbestandteil des menschlichen Haares. Wasserstoff und Sauerstoff kommen in verschiedenen Formen vor, den so genannten Isotopen. "Die Anteile bestimmter Isotope variieren von Region zu Region in einer vorhersagbaren Art und Weise", erläutert Chesson. Auch die Höhe der gemessenen Werte ist interpretierbar: Sie geben beispielsweise Auskunft über den ungefähren Breitengrad oder die Höhe, aus der das Wasser für die Getränke stammt.
Die Wissenschaftler untersuchten nun die Isotop-Muster von Limonaden, Trinkwasser und Bier in 33 US-amerikanischen Städten. Dabei stellten sie fest, dass die Muster in den Getränken den Isotop-Profilen des Trinkwassers in der jeweiligen Region sehr ähnlich waren. Dies hängt damit zusammen, dass Getränkehersteller meist lokale oder regionale Wasservorkommen für ihre Getränke nutzen. „Die Isotop-Muster im Leitungswasser sind bereits bekannt und verleihen jeder Stadt und jeder Region einen charakteristischen ‚Fingerabdruck‘“, berichten die Forscher. So lassen sich in den USA zum Beispiel besonders hohe Werte in Florida und Texas beobachten – Bundesstaaten, die südlich und küstennah gelegen sind. Niedrige Werte treten dagegen im Gebiet der hohen, weiter nördlich gelegenen Rocky Mountains auf. "Wir haben nun zum ersten Mal festgestellt, dass dieser geographische Fingerabdruck auch bei Bier, Limonade und Wasser in Flaschen auftritt."
Mit diesem Wissen lässt sich zum einen die genaue Herkunft von Getränken analysieren. Da Haare eine Vielzahl von Umweltstoffe einlagern, könnte man mithilfe von Haaranalysen auch nachvollziehen, wo sich jemand zu verschiedenen Zeitpunkten aufgehalten hat. Dies lasse sich zum Beispiel nutzen, um die Reisebewegungen von Kriminellen oder verdächtigen Personen nachzuvollziehen. Allerdings seien bis zur Anwendungsreife solcher Methoden noch eine Reihe weiterer Forschungsarbeiten notwendig, schreiben die Wissenschaftler.
Lesley Chesson (University of Utah, Salt Lake City) et al.: Journal of Agricultural and Food Chemistry, Bd. 58, S. 7311–7316, doi: 10.1021/jf1003539
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein


















