Dunkel wird's auf Yed Prior
Sternenfinsternis wird mit dem bloßen Auge zu sehen sein
Sterngucker können am Donnerstag, 8. Juli, ein seltenes Schauspiel beobachten: Ein Asteroid namens Roma verdeckt für fünf Sekunden einen Stern im Sternbild Schlangenträger. Dabei verdunkelt sich der Stern Yed Prior für ein paar Sekunden – es tritt also eine Art Sternenfinsternis ein, ein Ereignis ähnlich einer Sonnenfinsternis, bei der der vorüberziehende Mond das Licht der Sonne verdeckt. Die Sternenfinsternis wird vermutlich die einzige in diesem Jahrhundert bleiben und ist in Nord- und Westdeutschland kurz vor Mitternacht mit dem bloßen Auge oberhalb des südlichen Horizontes sichtbar, berichtet die Europäische Weltraumorganisation ESA.
ANZEIGE
Asteroiden sind Überbleibsel aus der Zeit, in der sich das Sonnensystem bildete. Die steinigen oder metallischen Objekte kreisen wie die Planeten um die Sonne. Insgesamt sind etwa 400.000 von ihnen bekannt, ihr Durchmesser reicht von wenigen Metern bis zu mehreren hundert Kilometern. Diese Größe reicht aus, um das Licht eines der vielen Sterne am Nachthimmel scheinbar auszuschalten, indem sie es verdecken.
Eine solche Sternenfinsternis ist im Gegensatz zu der meist mehrere Minuten dauernden Sonnenfinsternis von sehr kurzer Dauer: Der Asteroid benötigt aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit nur wenige Sekunden, um am Stern vorbeizuziehen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird der 170 Lichtjahre entfernte Stern Yed Prior, der vierthellste Stern in der Konstellation Schlangenträger, hinter dem Asteroiden Roma verschwinden. Dieser ist mit einem Durchmesser von fünfzig Kilometern relativ klein, was dazu führt, dass das Himmelsphänomen nur in Nord- und Westdeutschland zu sehen sein wird - innerhalb eines schmalen Streifens auf einer Linie, die durch Hamburg und Essen verläuft. Während des Schauspiels wird der Stern nicht unmittelbar finster, sondern verdunkelt sich innerhalb einer Sekunde, ist für einen Augenblick nicht zu sehen und leuchtet anschließend wieder auf. Beobachter können den Stern Yed Prior, der auch delta Ophiuchi genannt wird, am südlichen Himmel auf halber Strecke zwischen Horizont und Zenit mit dem bloßen Auge sehen.
Da die meisten Asteroiden zu klein sind, um mit Teleskopen von der Erde aus beobachtet zu werden, ist ein solches Ereignis die einzige Möglichkeit, ihre Größe direkt zu bestimmen. Dafür verwenden Astronomen Videoaufzeichnungen des Ereignisses und können, da die Geschwindigkeit des Asteroiden bekannt ist, aus der Dauer der Finsternis die Größe des Asteroiden rekonstruieren.
Mitteilung der European Space Agency
ddp/wissenschaft.de – David Köndgen


















