Suizide verhindern
Gescheiterte Selbstmörder zeigen abhängig von der gewählten Tötungsmethode eine unterschiedlich starke Neigung zu weiteren Suizidversuchen
Lebenskrisen, traumatische Erlebnisse oder psychische Störungen: Der Wunsch nach dem Tod kann viele Ursachen haben. Jahr für Jahr sehen Tausende Menschen in der Selbsttötung den letzten Ausweg, Hilfsangebote kommen oft zu spät. Nach einem misslungenen Suizidversuch ist eine umso intensivere Betreuung notwendig, denn rund zehn Prozent der Betroffenen versuchen in den Folgejahren erneut, sich umzubringen. Bei dieser Nachsorge könnte Psychologen nun eine neue Studie aus Schweden helfen: Dort fanden Wissenschaftler heraus, dass die Wahl der Tötungsmethode beim ersten Versuch Rückschlüsse auf das Risiko eines weiteren, dann erfolgreichen Suizidversuchs zulässt. Besonders gefährdet sind demnach Betroffene, die sich beim ersten Selbstmordversuch für als „gewalttätig“ oder „hart“ bezeichnete Methoden wie Erhängen entschieden hatten. Wenn diese Menschen eine besonders intensive Betreuung bekämen, ließen sich möglicherweise zahlreiche Selbstmorde verhindern, hoffen die Forscher um Bo Runeson vom Karolinska-Institut in Stockholm.
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Männer nehmen sich häufiger das Leben als Frauen, psychische Störungen erhöhen die Suizidgefahr zusätzlich: Die Wissenschaftler um Bo Runeson haben nun eine Entdeckung gemacht, die den statistischen Analysen zufolge unabhängig von diesen bereits bekannten Faktoren ist. Das Risiko, dass sich an einen erfolglosen ersten Suizidversuch ein zweiter, erfolgreicher anschließt, steht demnach in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tötungsmethode.
Die Forscher verfolgten unter anderem anhand von Krankenhauseinlieferungen und Todesregistern das Schicksal von 48.649 Menschen in Schweden, die zwischen 1973 und 1982 einen ersten Suizidversuch unternommen hatten. 5.740 – also rund 12 Prozent – der Betroffenen versuchten in den Folgejahren bis einschließlich 2003 erneut, sich umzubringen. Dabei setzten auffällig häufig jene ihrem Leben tatsächlich ein Ende, die beim ersten Versuch auf „harte“ Methoden zurückgegriffen hatten.
Am höchsten war die Todesrate bei denjenigen, die sich zu erhängen versucht hatten. Das Risiko sank, je „weicher“ die Methode war. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass die Mehrheit der letztlich erfolgreichen Selbstmörder bei ihrem Folgeversuch auf dieselbe Methode zurückgegriffen hatte wie beim ersten Mal. Dieses Wissen könnte Psychologen dabei helfen, wiedereinsetzenden Selbsttötungsgedanken vorzubeugen oder sie zumindest rechtzeitig zu erkennen.
Bo Runeson (Karolinska-Institut, Stockholm) et al.: British Medical Journal, Onlineveröffentlichung, doi:10.1136/bmj.c3222
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht

















