Als der Mensch kein Affe mehr sein wollte
Fossiler Schädel zeigt, dass sich menschenartige Affen später entwickelten als angenommen
Eine neu entdeckte Affenart war einer der letzten gemeinsamen Vorfahren der geschwänzten Altweltaffen und der menschenartigen Affen. Das belegen Schädelteile, die ein amerikanisch-saudi-arabisches Forscherteam in Ablagerungen der Shumaysi-Formation in Saudi-Arabien gefunden hat. Demnach stammen die 28 bis 29 Millionen Jahre alten fossilen Überreste von einem sogenannten Altweltaffen mittlerer Größe. Anatomische und genetische Analysen ergaben Übereinstimmungen sowohl mit den menschenartigen Affen – zu denen gemäß der biologischen Systematik auch der Mensch gehört – wie auch mit den geschwänzten Altweltaffen. Damit hat die Aufspaltung in diese beiden Familien deutlich später stattgefunden als bisher angenommen.
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Bei der Erforschung der menschlichen Evolution ist die Frage umstritten, wann sich die Altweltaffen, also die Affen Eurasiens und Afrikas, in die beiden Primatenfamilien der geschwänzten Altweltaffen und der menschenartigen Affen – Menschenaffen und Menschen – aufgespalten haben. Bisherige Schätzungen von Wissenschaftlern datierten den Zeitpunkt auf etwa 30 bis 35 Millionen Jahre zurück. In Gesteinsschichten aus der erdgeschichtlichen Epoche des Oligozäns vor 30 bis 23 Millionen Jahre konnten aber nur wenige Fossilien gefunden werden, die Aufschluss über die Art und das letzte Auftreten der gemeinsamen Vorfahren gaben.
Die nun gefundenen Schädelteile machten die Forscher in der mittleren Schicht der sogenannten Shumaysi-Formation im westlichen Saudi-Arabien ausfindig, die etwa 28 bis 29 Millionen Jahre alt ist. Die Schädelstücke wiesen Merkmale auf, die zu keiner bekannten Altweltaffenart passen: So unterscheiden sich neben zahlreichen anderen Charakteristika beispielsweise die Zähne in Größe und Form von denjenigen anderer Arten. Das gefundene Exemplar von Saadanius hijazensis, so der Name der neuen Primatenart, war männlich und wog zu Lebzeiten zwischen 15 und 20 Kilogramm.
Dank moderner genetischer Methoden und dem Vergleich der Schädelmerkmale wurde er als gemeinsamer Vorfahre der menschenartigen Affen und der geschwänzten Altweltaffen eingeordnet. Die Spaltung der Altweltaffen in die beiden Familien kann folglich frühestens vor 28 bis 29 Millionen Jahren stattgefunden haben, als die mittleren Ablagerungen der Shumaysi-Formation entstanden, erklären die Wissenschaftler. Der Fund bestätigt zudem, dass die Evolution der Altweltaffen und somit auch die Ursprünge des Menschen eng mit dem afro-arabischen Raum verknüpft sind.
William Sanders (University of Michigan, Ann Arbor) et al.: Nature, Bd. 466, Nr. 7304, doi:10.1038/nature09094
ddp/wissenschaft.de – Thomas Neuenschwander


















