Musikalische Mangusten
Erdmännchen reagieren nur auf disharmonische Warnungen panisch
Erdmännchen verwenden disharmonische Warnrufe, um die Signale für ihre Artgenossen überraschender und damit wirkungsvoller zu machen. Das hat ein Forscherteam der Universität Zürich bei der Beobachtung von Erdmännchen-Kolonien in der Halbwüste Kalahari in Südafrika herausgefunden. Sie spielten den kleinen Raubtieren ein Repertoire charakteristischer Warnschreie ihrer Artgenossen vor. Dabei reagierten die Tiere auf sogenannte nichtlineare Tonfolgen, bei denen neben dem Grundton noch weitere Töne mitschwingen, stärker als auf lineare: Sie unterbrachen ihre Futtersuche. Dass die Tiere ihr Verhalten an nichtlineare Warnmuster anpassen, untermauert erstmals die sogenannte Unvorhersehbarkeits-Hypothese: Der von zahlreichen Tierarten bekannte disharmonische Alarm verhindert eine Nichtbeachtung und ruft ein situationsgerechtes Verhalten hervor.
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Für die rund 50 Zentimeter großen Erdmännchen (Suricata suricatta) besitzen Warnsignale eine hohe Bedeutung, denn sie leben in offenen Wüsten und ihre Sicht ist bei der Futtersuche am Boden eingeschränkt. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten experimentierten nun die Wissenschaftler in der Kalahari mit acht Gruppen der Tiere. Die sichere Identifizierung der Gruppenmitglieder wurde durch winzige Transponder erreicht, mit denen sich die Position der Erdmännchen auf einen Meter genau feststellen ließ.
Die Forscher spielten den Tieren nun über Lautsprecher neun verschiedene Warnsignale vor und registrierten dabei fünf Verhaltensformen: keine Reaktion, erhöhte Wachsamkeit, wachsames Stillstehen, generelles Wegrennen und die gezielte Flucht in den Bau. Die Erdmännchen passten ihr Gebaren dabei jeweils der Wiedergabeart an, die von den Biologen ausgewählt wurde. Während Warnsignale, die nur aus einem klaren Grundton bestanden, die Tiere kaum bei der Futtersuche ablenkten, stoppten sie ihre Nahrungsbeschaffung bei nichtlinearem Alarm. Auch beruhigten sie sich anschließend langsamer. In den Bau flohen die aufgeschreckten Erdmännchen ebenfalls nur dann, wenn ihnen zuvor die disharmonischen Rufe vorgespielt worden waren.
Die Verhaltensänderungen standen eindeutig in direktem Zusammenhang mit den unterschiedlichen Warnhinweisen, berichten die Biologen. Diese Beobachtung ist ihrer Einschätzung nach ein Beweis für die Unvorhersehbarkeits-Hypothese: Danach verhindern die für zahlreiche Tierarten charakteristischen nichtlinearen Rufe, dass der Alarm von den Empfängern einfach ignoriert wird.
Simon W. Townsend (Universität Zürich) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1098/rsbl.2010.0537
ddp/wissenschaft.de – David Köndgen


















