Hoffnung im Kampf gegen Malaria
Neuer Wirkstoff in Tierversuchen erfolgreich getestet
Ein neuer Wirkstoff gegen die Parasitenerkrankung Malaria soll auch jenen Erregern den Garaus machen, die gegenüber gängigen Medikamenten resistent geworden sind. Entwickelt hat die Substanz namens NITD609 ein internationales Forscherteam um Matthias Rottmann vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel in Zusammenarbeit mit Industriepartnern. In Versuchen mit Mäusen und Ratten konnten die Tiere bereits durch eine einzige oral verabreichte Wirkstoffdosis von zwei Haupterregern der Malaria geheilt werden. Nebenwirkungen wurden im Tiermodell nicht beobachtet. Derzeit laufen weitere Tests, die, so hoffen die Wissenschaftler, gegen Ende des Jahres in erste klinische Studien mit Menschen münden könnten. Neue Malariawirkstoffe werden dringend benötigt, da die letzte Neuentwicklung bereits ein Jahrzehnt zurückliegt: Gegen Artemisinin, einen sekundären Pflanzenstoff des Einjährigen Beifußes, entwickeln die Parasiten zunehmend Resistenzen.
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Von der Tropenkrankheit Malaria sind weltweit nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich rund 250 Millionen Menschen betroffen, knapp die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in malariaverseuchten Gebieten. Pro Jahr fordert die Erkrankung rund eine Million Todesopfer, vorwiegend Kinder. Hervorgerufen wird Malaria durch Parasiten, die durch den Stich der Anopheles-Mücke in die Blutbahnen des Menschen geraten.
Die beiden Haupterreger, Plasmodium falciparum und Plasmodium vivax, konnten in Laborversuchen der Forscher nun durch den neuen Wirkstoff erfolgreich abgetötet werden – auch resistente Stämme. In anschließenden Tests mit Mäusen und Ratten, die unter der Nagetiervariante der Malaria litten, hervorgerufen durch Plasmodium berghei, konnten die Tiere durch eine einmalige hochdosierte Gabe von NITD609 geheilt werden. In bisherigen Labortests mit verschiedenen menschlichen Zelltypen erwies sich die Substanz zudem als nicht toxisch.
Den genauen Angriffspunkt von NITD609 fanden die Forscher heraus, indem sie Malariaerreger über einen längeren Zeitraum nicht-tödlichen Wirkstoffdosen aussetzten. Auf diese Weise führten sie bei den Parasiten absichtlich eine Resistenzbildung herbei. Anschließend verglichen sie das Genom der resistenten Stämme mit dem normaler Erreger.
Wie sich herausstellte, waren für die Widerstandsfähigkeit der resistenten Erreger Mutationen auf einem bestimmten Gen verantwortlich, das den Code für ein Protein namens PfATP4 enthält. Dieses Eiweiß entscheidet als eine Art Türhüter mit darüber, welche Substanzen durch die Zellmembran in den Körper der einzelligen Parasiten eintreten dürfen. Im Umkehrschluss muss eben jenes Protein der Schwachpunkt sein, an dem NITD609 ansetzt.
Nach Ansicht der Wissenschaftler sind diese genetischen Kenntnisse auch insofern von Bedeutung, als sie die rasche Entdeckung resistenter Stämme ermöglichen würden, sollte der Wirkstoff eines Tages tatsächlich beim Menschen eingesetzt werden. Eben jene gefürchtete Resistenzbildung könnte bei NITD609 allerdings eine ganze Weile ausbleiben: Der Wirkmechanismus der Substanz unterscheidet sich stark von dem anderer bereits zur Therapie eingesetzter Wirkstoffe wie Artemisinin. Dadurch nutzt den Parasiten das Wissen nichts, das sie im Kampf gegen Artemisinin und Co bereits zum Zweck einer Resistenzentwicklung gesammelt haben.
Matthias Rottmann (Schweizerischer Tropen- und Public Health-Institut, Basel) et al.: Science, Bd. 329, Nr. 5996, S. 1175
ddp/wissenschaft.de - Mascha Schacht

















