Trickreiche Erreger
Eine List ermöglicht Bakterien das Einnisten im Schleimhautgewebe
Indem Bakterien ihren Wirt daran hindern, alte Schleimhautzellen abzustoßen, können sie sich leichter in den Schleimhäuten einnisten und vermehren. Das haben Forscher der Universität Konstanz herausgefunden. Damit Mikroben sich nicht festsetzen und vermehren können, werden Schleimhautzellen normalerweise besonders oft und schnell erneuert. Dazu müssen zunächst alte Zellen beseitigt werden. Genau diesen Prozess verhindern einige Bakterienarten, indem sie sich durch bestimmte Rezeptoren an die Schleimhautzellen binden. Damit bewirken sie eine Stimulation bestimmter Eiweiße, die als Klebstoff wirken. So können sich Schleimhautzellen nicht mehr aus dem Gewebe lösen, was den Bakterien einen nützlichen Zeitvorsprung verschafft.
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Vor der Ausbreitung im menschlichen Körper besiedeln Mikroorganismen zunächst die Schleimhäute, beispielsweise den Rachen oder den Darm. Dort stehen sie vor einem Problem: Die oberflächlichen Zellen der Schleimhäute werden in einer ständigen Gewebserneuerung, der sogenannten Exfoliation, abgeschilfert. Das soll dem Einnisten von Erregern vorbeugen.
Um dennoch an ihr Ziel zu gelangen, nutzen die Bakterien einen Trick, wie das Konstanzer Forscherteam nun herausfand: Sie binden an sogenannte CEACAM-Rezeptoren auf den Schleimhautzellen. Damit setzen sie eine Signalkaskade in Gang, die letztendlich die sogenannten Integrine stimuliert. Diese Eiweiße wirkt wie eine Art hochwirksamer Klebstoff und sorgen dafür, dass sich Schleimhautzellen nicht mehr vom Gewebeverband trennen können.
Die Abschilferung wird dadurch unterdrückt und die Bakterien haben somit genügend Zeit, die Zelle zu befallen und zu kolonisieren. Die Wissenschaftler wiesen diesen Vorgang anhand von Gonokokken nach, die beispielsweise die Geschlechtskrankheit Tripper verursachen. Doch auch harmlose Keime auf der Schleimhaut des Hals-Nasen-Rachen-Raums wenden dieses Prinzip an.
„Wir spekulieren, dass sich der Mechanismus zur Unterdrückung der Exfoliation ursprünglich entwickelt hat, um eine Besiedlung mit harmlosen und für den Menschen vielleicht sogar nützlichen Organismen zu ermöglichen“, sagt Hauck.
Ziel der Forscher ist es nun, den Mechanismus zu beeinflussen, um schädliche Bakterien fernzuhalten und nutzbringenden Bakterien die Besiedlung zu erleichtern.
Christof Hauck et al. (Universität Konstanz),
Pressemitteilung der Universität Konstanz
ddp/wissenschaft.de - Theresa Klüber

















