Warum Forscher eine Bedrohung für Pinguine sind
Mit Metallclips markierte Tiere bekommen weniger Nachwuchs
Wenn Pinguine zu Forschungszwecken mit Metallclips an ihren Flügeln ausgestattet werden, macht ihnen das mehr zu schaffen als bisher angenommen: Die Bänder, die bei der Unterscheidung der einzelnen Tiere helfen, beeinträchtigen die Überlebenschancen der Antarktis-Bewohner. Das haben französische Forscher herausgefunden, als sie zehn Jahre lang das Brut- und Jagdverhalten von freilebenden Königspinguinen beobachteten. Mit Band versehene Pinguine hatten im Schnitt weniger Küken als ihre Artgenossen, da sie nach ihren Wanderungen später an den Brutstätten ankamen. Außerdem brauchten sie wesentlich länger, um während der Brutzeit ausreichend Futter im Ozean zu finden - der Metallclip behindert sie beim Schwimmen. Die Wissenschaftler warnen daher jetzt davor, Pinguine weiterhin mit Flossenbändern zu bestücken.
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Um die Folgen des Klimawandels auf die Ökosysteme der Meere zu studieren, erforschen Wissenschaftler vor allem die Tierwelt der südlichen Ozeane. Denn sie nehmen an, dass diese Regionen von der drohenden Erderwärmung besonders betroffen sind. Pinguine kommen als Studienobjekte wie gerufen, da man davon ausgeht, dass sie als Fischfresser relativ schnell unter Veränderungen im Ökosystem leiden würden. Daher statten Biologen die antarktischen Tiere häufig mit Markierungen aus, um herauszufinden, wann sich die Tiere wo aufhalten. Statt der üblichen Ringe um ein Bein, die bei den Pinguinen nicht angebracht werden können, werden dazu meist Metallclips gewählt, die um eine Flosse gelegt werden.
Die Meinungen darüber, ob diese Bänder den Pinguinen schaden oder nicht, gehen unter Wissenschaftlern auseinander: Während die einen sagen, sie seien völlig harmlos, warnen andere davor, dass sie die Tiere verletzen. Die meisten Studien dazu basieren allerdings auf Beobachtungen von höchstens einem Jahr. Zu wenig, meinten die Forscher um Yvon Le Maho aus Straßburg und beobachteten zehn Jahre lang 100 Königspinguine auf der Île de la Possession im südlichen Indischen Ozean. Die Wissenschaftler hatten allen Pinguinen einen Sender unter die Haut implantiert, der nicht einmal ein Gramm wog. Außerdem statteten sie die Hälfte der gefiederten Tiere mit einem Metallband an einer der Flossen aus. Über die Jahre verglichen die Biologen dann sowohl das Brut- als auch das Jagdverhalten der unterschiedlichen Pinguine.
Die Bänder hinterließen deutliche Spuren: Pinguine mit Metallclip hatten eine 16 Prozent niedrigere Überlebenschance als ihre Artgenossen und durchschnittlich 36 Prozent weniger Küken als die anderen Pinguine. Der Grund: Die Tiere mit Band erreichten die Brutplätze etwa 16 Tage später als die Vergleichstiere. Je später sie eintrafen, desto geringer war die Vermehrungsrate der Pinguine. Das liege daran, dass die Bänder die Pinguine beim Schwimmen behindern, so die Forscher. Das macht sich auch für die Futtersuche während der Brutzeit bemerkbar. In dieser Phase bebrüten Männchen und Weibchen das Ei im Wechsel, während der andere Partner auf eine ausgedehnte, mehrere Tage dauernde Futtersuche geht. Die Pinguine ohne Band waren lediglich etwa 16 Tage unterwegs, die Vögel mit Clip suchten dagegen 22 Tage nach Nahrung.
Die Studie zeigt, dass nur Beobachtungen über mehrere Jahre zu verlässlichen Daten führen, schreiben die Wissenschaftler. Da die Clips das Verhalten der Vögel drastisch verändert, sei es problematisch, Informationen und Schlussfolgerungen aus Beobachtungen derartig markierter Tiere zu ziehen - der Band-Effekt könnte das Ergebnis verfälschen.
Yvon Le Maho (Universität Straßburg) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nature09630
dapd/wissenschaft.de - Peggy Freede

















