Schäden im Zeitraffer
Zigarettenqualm führt schneller als gedacht zur Bildung erbgutschädigender Stoffwechselprodukte
Rauchen kann das Erbgut schon innerhalb weniger Minuten schädigen - und nicht wie bisher angenommen erst nach einigen Jahren. Das legt jetzt eine Studie eines US-amerikanischen Forscherteams nahe. Demnach dauert es gerade einmal eine Viertelstunde, bis der Stoffwechsel bestimmte Kohlenwasserstoffverbindungen aus dem Zigarettenqualm in giftige Substanzen umgewandelt hat. Diese schädigen die Erbsubstanz DNA nachweislich und können zu Mutationen führen. Die Folge: Die Zellen entarten, und es können bösartige Erkrankungen wie etwa Lungenkrebs entstehen. Die Studie zeige, dass sich selbst Gelegenheitsraucher der Gefahr erbgutschädigender Wirkungen aussetzen, schreiben die Wissenschaftler um Stephen Hecht.
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Lungenkrebs wird in 90 Prozent der Fälle von Zigarettenrauch ausgelöst. Doch Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs: Mindestens 18 unterschiedliche Krebserkrankungen können nach bisherigem Kenntnisstand durch das Laster ausgelöst werden. Der Grund: Zigarettenqualm enthält eine Menge toxischer Stoffe, von denen vor allem die sogenannten polyzyklischen Kohlenwasserstoffe mit Lungenkrebs in Verbindung gebracht werden. Damit diese Substanzen ihre krebserregende Wirkung entfalten können, müssen sie im Körper jedoch erst chemisch aktiviert werden. Dabei entstehen viele Verbindungen, die sofort mit der DNA reagieren, dadurch gravierende Schäden in der Erbsubstanz verursachen und so Krebs auslösen können, wie frühere Studien zeigten. Bisher war allerdings nicht klar, auf welchen Wegen aus den Kohlenwasserstoffen die erbgutschädigenden Substanzen entstehen.
Daher haben die Wissenschaftler um Hecht in ihrer Studie nun insgesamt zwölf freiwilligen Probanden speziell präparierte Zigaretten zum Rauchen gegeben: Die Glimmstängel enthielten den polyzyklischen Kohlenwasserstoff Phenanthren, den die Forscher vorab chemisch markiert hatten, damit sie seinen Weg durch den Stoffwechsel verfolgen konnten. Vor und nach dem Zigarettenkonsum untersuchten die Forscher die Studienteilnehmer und nahmen ihnen dazu jeweils 10 Milliliter Blut in regelmäßigen Zeitabständen ab.
Das Ergebnis: Nach dem Rauchen fand sich in den Proben eine giftige Substanz, die durch die chemische Umwandlung von Phenanthren entsteht und von der Forscher wissen, dass sie Mutationen und damit Krebs verursachen kann. Verblüffend sei jedoch gewesen, dass diese Substanz bereits 15 bis 20 Minuten nach Inhalation des Zigarettenqualms in einer hohen Konzentration im Blut nachweisbar war, erläutern die Forscher. Der Effekt trete damit so schnell ein, als würde man die Substanz direkt in die Blutbahn injizieren. Die Schäden an der Erbsubstanz können demnach nicht erst nach jahrelangem Zigarettenkonsum entstehen, sondern schon mit der ersten Zigarette. Daher, so schreiben die Wissenschaftler, sollte die Studie eine Warnung für all diejenigen sein, die damit liebäugeln, mit dem Rauchen anzufangen.
Stephen Hecht (University of Minnesota, Minneapolis) et al: Chemical Research in Toxicology, doi: 10.1021/tx100345x
dapd/wissenschaft.de - Peggy Freede

















