Sag mir, wer Deine Freunde sind ...
... und ich sage Dir, welche Gene Du hast: Das Erbgut scheint Wahl der Freunde mitzubestimmen
Nicht nur Familienmitglieder sind über ihre Gene miteinander verbunden, sondern auch Freunde. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher nach Untersuchungen, in denen sie nach einem Zusammenhang zwischen Erbinformationen und dem Beziehungsgeflecht von Menschen fahndeten. Bei zwei von sechs untersuchten Erbfaktoren entdeckten die Wissenschaftler dabei tatsächlich auffällige Zusammenhänge innerhalb von Freundeskreisen. Beiden Genen wird eine Funktion bei der Entwicklung bestimmter Verhaltensweisen zugeschrieben. Demnach könnten unsere Erbanlagen unbewusst die Auswahl des sozialen Umfelds beeinflussen, was wiederum eine Rückwirkung auf unser eigenes Leben hat, spekulieren die Forscher. Sie sehen diesen Zusammenhang auch als einen Faktor bei der Evolution des Menschen.
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Als Grundlage für ihre Untersuchung dienten den Forschern Daten, die zuvor im Rahmen von zwei unterschiedlichen US-amerikanischen Studien gewonnen worden waren. Darin enthalten waren Informationen zu sechs unterschiedlichen Erbfaktoren von insgesamt 9.237 Personen. Die Teilnehmer waren jeweils mit einigen anderen innerhalb der Testgruppe freundschaftlich verbunden gewesen, so dass den Forschern letztendlich sowohl Informationen über die genetischen Eigenschaften einer Person als auch über das Erbgut ihrer Freunde zur Verfügung standen.
Eins der beiden Gene, bei denen die Forscher eine unerwartet starke Übereinstimmung innerhalb von Freundeskreisen fanden, war in früheren Studien bereits mit einer Neigung zur Alkoholsucht in Verbindung gebracht worden. Bei dieser Erbanlage gab es eine sogenannte positive Korrelation: Die Träger dieses Gens besaßen überproportional viele Freunde, bei denen die gleiche Variante im Erbgut zu finden war. Das zweite Gen scheint eine Rolle bei der Charakterbildung zu spielen und seinen Träger je nach Ausprägung zur Extrovertiertheit oder eher zur Verschlossenheit neigen zu lassen. In diesem Fall zeigte sich ein negativer Zusammenhang - es schließen sich offenbar bevorzugt Menschen zusammen, deren Gen-Versionen nicht übereinstimmen. So hatten Personen mit der Variante, die für ein offenes Naturell steht, häufig Freunde mit der Gen-Version, die mit einem verschlossenen Charakter zusammenhängt, und umgekehrt. Den Forschern zufolge bestätigen sich demzufolge gleich zwei Weisheiten auf genetischer Ebene: "Gleich und gleich gesellt sich gern" sowie "Gegensätze ziehen sich an".
Auf welche Weise die Genetik Sozialgeflechte beeinflusst, bleibe bislang allerdings Spekulation, räumen die Forscher ein. Es seien sehr viele Wechselwirkungen zwischen Genen, Verhalten und einer Kombination dieser Faktoren bei Freundschaften von Menschen denkbar. Da allerdings schon zwei von nur sechs untersuchten Genen einen Zusammenhang mit Freundschaftsbeziehungen ergeben haben, vermuten die Forscher, dass noch viele weitere solche Verbindungen existieren. Sich mit Personen zu umgeben, die ganz spezielle genetische Anlagen tragen, könnte daher ein wichtiger Faktor in der Entwicklungsgeschichte des Menschen gewesen sein, so die Annahme.
James Fowler (University of California) et al: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1011687108
dapd/wissenschaft.de - Martin Vieweg

















