Die Anti-Malaria-Alge
Forscher identifizieren Anti-Pilz-Mittel in einer Meerespflanze, die auch gegen die Tropenkrankheit helfen könnten
Eine seltene Rotalgen-Art könnte bei der Bekämpfung von Malaria helfen: Sie enthält eine Gruppe chemischer Verbindungen, von denen gleich mehrere dem Malaria-Erreger, einem Parasiten namens Plasmodium falciparum, den Garaus machen können. Das hat ein US-Forscherteam entdeckt, das die vor den Fidschi-Inseln heimische Rotalge Callophycus serratus seit mehreren Jahren untersucht. Demnach nutzt die Alge die Chemikalien wohl eigentlich dazu, sich vor dem Befall durch Pilze zu schützen, die in ihrem Lebensraum zu Hauf vorkommen. Sie hat mit diesen Anti-Pilz-Mitteln jedoch offenbar eine Art Stein der Weisen entdeckt: Neben dem Malaria-Erreger töten die Substanzen auch verschiedene Bakterien, darunter den gefürchteten multiresistenten Krankenhauskeim MRSA, und sogar Krebszellen ab.
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Ausschlaggebend für die genaue Analyse der Rotalge war eine Beobachtung, die die Wissenschaftler beim Tauchen in den Korallenriffen rund um die Fidschi-Inseln machten: Die roten Meerespflanzen besitzen eine auffällig sauber aussehende Oberfläche - und das, obwohl in den Riffen eine Vielzahl von Mikroorganismen zu Hause ist, die normalerweise jede erdenkliche Oberfläche besiedeln. Bei der Untersuchung der Alge fanden die Forscher dann auch den Grund für diese Besonderheit: Callophycus serratus produziert ein ganzes Arsenal an chemischen Waffen, mit denen sie die Mikroben fernhält.
Diese Abwehrstoffe sind nicht gleichmäßig über die gesamte Oberfläche verteilt, sondern finden sich hauptsächlich an bestimmten Stellen. Dabei handelt es sich vermutlich um besonders anfällige Bereiche, etwa Verletzungen oder geschädigte Teile, und die Chemie-Waffen sollen wie ein Pflaster den potenziellen Angriffspunkt verschließen, spekulierte Kubanek. Die antimikrobiellen Substanzen scheinen dabei vor allem gegen Pilze gerichtet zu sein, jedoch auch gegen andere Mikroorganismen zu wirken, wie die Forscher bereits in verschiedenen Labortests zeigen konnten.
Besonders vielversprechend sei dabei die Wirkung auf den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum, der bereits von geringen Konzentrationen der Anti-Pilz-Mittel abgetötet werde. Das heiße allerdings nicht, dass die Substanzen bereits in Kürze als Medikament eingesetzt werden können - sie liefern im Moment vor allem eine Vorlage, auf deren Basis man weiterforschen könne, betonen die Wissenschaftler. So müsse beispielsweise getestet werden, ob die Verbindungen für Tiere und Menschen ungiftig seien und ob sie ihre vielversprechende Wirkung auch innerhalb eines Organismus entfalten. Zudem sollen chemische Modifikationen getestet werden, um den Anti-Malaria-Effekt noch zu verstärken.
Vor allem im Hinblick darauf, dass der Malaria-Erreger zunehmend resistent gegen die verfügbaren Medikamente wird, sei es dringend notwendig, neue Wirkstoffe zu finden, erläutert das Team. Denn nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jedes Jahr zwischen 300 und 500 Millionen Menschen an Malaria, eine Million sterben daran.
Julia Kubanek (Georgia Tech) et al: Beitrag auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS)
dapd/wissenschaft.de - Hans Groth/Ilka Lehnen-Beyel

















