Albatrosse profitieren vom Klimawandel – derzeit
Höhere Windgeschwindigkeiten erleichtern den Vögeln die Nahrungssuche
Ausnahmsweise einmal eine gute Nachricht über den Klimawandel: Aufgrund erhöhter Windgeschwindigkeiten in der Antarktis gelangen Wanderalbatrosse schneller in ihre Jagdgebiete. Das hat sowohl auf ihren Nachwuchs als auch auf ihr Körpergewicht positive Auswirkungen – der Bestand der Meeresvögel stabilisiert sich, und sie wiegen im Durchschnitt ein Kilogramm mehr als vor 20 Jahren, hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. Dass der positive Effekt von Dauer sein wird, bezweifeln die Wissenschaftler allerdings.
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Der Klimawandel macht Mensch und Natur in vielen Bereichen schwer zu schaffen. Doch einige Arten profitieren auch von der globalen Erwärmung, zum Beispiel der Wanderalbatros (Diomedea exulans). Entdeckt haben die Wissenschaftler das am Beispiel einer Albatros-Kolonie im südlichen Indischen Ozean. Dort war der Bestand an Wanderalbatrossen auf den Crozetinseln durch die Langleinenfischerei in den nördlichen Gebieten um die Inselgruppe stark zurückgegangen, wie Maite Louzao vom Centre d’Études Biologiquesde Chizé in Villiers en Bois, Frankreich, erläutert.
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Zahlreiche der Meeresvögel mit einer Spannweite von über 3,5 Metern fielen den kilometerlangen Schleppleinen zum Opfer. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Weibchen.
Der Grund dafür ist offenbar die Vorliebe der Weibchen, vor allem in den wärmeren Gebieten bis zum 30. Breitengrad nach Nahrung zu suchen – genau in den Regionen also, in denen die Langleinenfischerei betrieben wird, entdeckte das Team mit Hilfe von Peilsendern. Männchen dagegen bevorzugen eher die kühleren Gebiete zwischen 40 und 50 Grad südlicher Breite. Aufzeichnungen der vergangen 40 Jahre über die Dauer der Nahrungssuche und den Bruterfolg sowie Daten der vergangenen 20 Jahre zu Ernährung und Körpergewicht der Meeresvögel zeigen jedoch, dass die Weibchen ihre Jagdgebiete an die der Männchen angepasst haben. Grund dafür ist laut den Wissenschaftlern die Südverlagerung der Westwinde in der Antarktis. Mit der Änderung ihrer Flugrouten fallen die Weibchen nun seltener den kilometerlangen Schleppleinen der Fischer zum Opfer, so Maite Louzao.
Zusätzlich zu ihrer Verlagerung in Richtung Pol haben die Luftmassen auch an Geschwindigkeit zugenommen. Die riesigen Vögel werden also schneller zu ihren Nahrungsquellen – Tintenfischen, die bei Nacht an die Wasseroberfläche kommen, aber auch kleinen Fischen und Schalentieren – getragen. Da Albatrosse somit weniger Zeit mit der Futtersuche verbringen, können sie ihren Nachwuchs häufiger füttern. Das verbesserte den Bruterfolg, so die Wissenschaftler.
Ob die üppigere Nahrung auch für die Gewichtszunahme der Vögel verantwortlich ist, kann das Team jedoch nicht mit Sicherheit sagen – im Durchschnitt wiegen ausgewachsene Exemplare des größten Meeresvogels, Weibchen wie Männchen, ein Kilogramm mehr als noch vor 20 Jahren. Diese Gewichtszunahme von etwa zehn Prozent könne auch eine Anpassung an die höheren Windgeschwindigkeiten sein, sagen die Forscher. Denn bei stärkerem Sturm lässt es sich mit einer größeren Masse leichter navigieren.
Dass die Albatrosse langfristig vom Klimawandel profitieren, bezweifelt das Forscherteam. Aktuelle Szenarien gehen davon aus, dass sich die Westwindzone der Südhalbkugel – und damit auch die oft sturmartigen Winde – bis 2080 weiter gen Pol verschieben wird. Dann hätten Albatrosse nicht nur mit schlechteren Flugbedingungen zu kämpfen, sondern müssten auch längere Strecken zurücklegen.
Neben ihrer Studie haben die Forscher auch Kartenmaterial veröffentlicht, das sich als Grundlage für Schutzzonen der weltweit rund 8.000 Brutpaare eignen würde. „Da Albatrosse keine natürlichen Feinde haben und sich am oberen Ende der Nahrungskette befinden, eignen sie sich als Indikator für den Zustand des marinen Ökosystems“, erklärt Thorsten Wiegand vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Ihr Schutz könnte demnach auch zum Schutz des ganzen Ökosystems Südpolarmeer beitragen.
Henri Weimerskirch (Centre d’Études Biologiquesde Chizé, Villiers en Bois) et al.: Science, Bd. 335, S. 211, doi: 10.1126/science.1210270
© wissenschaft.de – Marion Martin



















