Virtuose Sänger aus dem Mauseloch
Die Liebeslieder von Hausmäusen sind so komplex und individuell wie Vogelgezwitscher
Mäusemännchen sind geübte Sänger, die im Ultraschallbereich vor sich hin trällern – mit dieser Entdeckung verblüfften Biologen erst vor wenigen Jahren die Welt. Jetzt zeigt sich: Dieser Gesang ist nicht nur ein profanes Quieken, sondern hat eine komplexe und liedhafte Struktur. Die Weibchen können anhand der „Melodie“ erkennen, ob es sich bei dem Sänger um einen Verwandten oder einen potenziellen Partner handelt.
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Herausgefunden hat das ein Forscherteam um Frauke Hoffmann von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Sie und ihre Kollegen hatten die - für menschliche Ohren nur in gedrosselter Geschwindigkeit wahrnehmbaren - Ultraschall-Frequenzen des Mäuse-Gesangs genauer untersucht. Dazu zeichneten sie je 90 Minuten lang den Gesang von 15 geschlechtsreifen, wilden Hausmäusen (Mus musculus) auf. Um die Mäuseriche zum Singen zu bewegen, tropften die Wissenschaftler Urin von weiblichen Mäusen in die Aufnahme-Box.
Mit einer speziellen Audio-Software analysierten sie anschließend die Aufnahmen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei den Tonfolgen mitnichten um profanes Quieken handelt, sondern um komplexen, zum Teil liederartigen Gesang. Und ähnlich wie bei Vögeln auch singt jede Maus ihre eigene Melodie, die anhand von vier Merkmalen identifiziert werden kann: Länge der Töne, Länge der Pausen zwischen den Tönen sowie hohe und tiefe Frequenzen. Neben diesem persönlichen akustischen Fingerabdruck konnten die Wissenschaftler außerdem anhand der Gesänge mit 90-prozentiger Sicherheit zuordnen, welche Mäuseriche miteinander verwandt waren.
Die Forscher glauben, dass die Weibchen so erkennen können, mit wem sie verwandt sind und wer als Partner in Frage kommt. Ob sie Männchen mit komplizierten Melodien attraktiver finden, wurde noch nicht untersucht.
Allerdings sind die Tonabfolgen der wilden Hausmäuse deutlich virtuoser und individueller als die von schon seit langem untersuchten Labormäusen. Das könne sowohl genetische Gründe haben, als auch mit der Sozialisierung zusammenhängen: Der Nachwuchs im Labor bekommt deutlich weniger Stimmen zu hören als Mäuse in freier Wildbahn. Zudem sind die akustischen Voraussetzungen sehr unterschiedlich.
Um die Bedingungen und Unterschiede der Gesänge genauer zu beleuchten, seien Studien mit größeren Stichproben nötig, so die Wissenschaftler. Zudem wollen sie herausfinden, warum etwa 20 Prozent der Mäuseriche – ob aus dem Labor oder wilde Hausmäuse – offenbar gar nicht singen.
Frauke Hoffmann (Veterinärmedizinische Universität, Wien): Physiology and Behavior, doi: 10.1016/j.physbeh.2011.10.011
Frauke Hoffmann (Veterinärmedizinische Universität, Wien): Journal of Ethology, doi: 10.1007/s10164-011-0312-y
© wissenschaft.de – Marion Martin


















