Rätselhafte Furchen
Warum hat der Mond Dehnungsstreifen?
Der Mond ist nicht so tot wie es Planetenforscher bislang annahmen. Frisch aussehende Dehnungsstreifen zeugen davon, dass sich Teile der Oberfläche innerhalb der letzten 50 Millionen Jahre ausgedehnt haben müssen. Und tief im Mantel des Trabanten steckt noch zähflüssiges Magma, das womöglich in ferner Zukunft noch einmal Vulkane speisen könnte. Zwei Forscherteams stellen diese Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Geoscience vor.
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Die letzten Vulkane waren auf dem Mond vor Milliarden von Jahren aktiv. Seither hat sich der silberne Trabant vor allem durch Meteoriteneinschläge verändert. Doch neue Aufnahmen der Nasa-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter zeigen nun, dass sich die Mond-Oberfläche noch in jüngerer Zeit verformt hat. Forscher um Thomas Watters entdeckten auf der Rückseite des Mondes und in den Basaltflächen einiger Maria mehrere Systeme aus wenige Meter tiefen, einige hundert Meter langen Gräben. Die Forscher bestimmten das Alter der Furchen teils auf weniger als 50 Millionen Jahre – also blutjung für geologische Verhältnisse.
Die Forscher deuten diese frischen Rillen als Folge lokaler Ausdehnung der Mondkruste. Bislang gingen Planetenforscher davon aus, dass sich der Mond seit 3,6 Milliarden Jahren vor allem zusammengezogen hat. Selbst die Schrumpfung kam aber nach bisheriger Ansicht vor etwa 1,2 Milliarden Jahren zum Stillstand. Watters und seine Kollegen folgern nun, dass der Mond offenbar heute doch noch tektonisch aktiv ist. Das deute darauf hin, dass das Innere des Trabanten noch heiß ist. Bei der Abkühlung könnten thermische Spannungen auftreten, durch die die Mondkruste an einigen Stellen gedehnt wird.
Weitere Hinweise auf das heiße Herz des Mondes präsentieren Forscher um Mirjam Van Kann Parker. Wie sie schreiben, deuten Apollo-Daten von Mondbeben darauf hin, dass es im unteren Teil des Mondmantels noch Magmareservoirs gibt, in denen etwa 30 Prozent des Gesteins geschmolzen ist. Die Temperatur dürfte in der Tiefe bei etwa 1500 Grad Celsius liegen.
Auf der Erde sind heiße Gesteinsschmelzen in der Regel so leicht, dass sie nach oben steigen und in Vulkanen austreten. Um zu erklären, warum der Mond nicht mehr vulkanisch aktiv ist, untersuchten die Forscher die Dichte geschmolzenen, künstlich hergestellten Mondgesteins mit den kräftigen Röntgenstrahlen der European Synchrotron Facility in Genf. Sie stellten fest, dass Magma, das reich an Titan ist, am Grund des Mondmantels die gleiche Dichte hat wie das umgebende Gestein. Wahrscheinlich sei dieses Gestein sogar ursprünglich näher an der Oberfläche entstanden und dann nach unten gesunken – wie ein umgekehrter Vulkan.
In Zukunft, wenn das Magma nach und nach abkühlt, könnte sich das aber ändern, sagt Ko-Autor Wim van Westrenen: „Die chemische Zusammensetzung wird sich ändern, wahrscheinlich wird das Magma dadurch weniger dicht. Es könnte sich also seinen Weg nach oben bahnen und an einem Vulkan austreten.“ Der Forscher betont allerdings, dass dies nur eine Hypothese sei, die nun untersucht werden müsse. In näherer Zukunft sei jedenfalls nicht mit dem Anblick nächtlicher Lavafontänen im Meer der Stürme oder anderswo auf dem Mond zu rechnen.
Thomas Watters (Smithsonian Institution, Washington D.C.) et al.: Nature Geoscience, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/NGEO1387
Mirjam van Kan Parker (Vrije Universiteit Amsterdam) et al.: Nature Geoscience, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/NGEO1402
wissenschaft.de - Ute Kehse


















