Überraschung!
Schimpanse plant raffinierte Angriffe auf Zoobesucher
Vielleicht fühlt sich der Schimpanse Santino ja in seiner Würde verletzt. Wie auch immer, er kann gaffende Zoobesucher jedenfalls nicht leiden – und das macht er ihnen unmissverständlich klar: Er wirft gezielt Steine nach ihnen, die er zum Teil sogar selber anfertigt und in Munitionslagern hortet. Dieses Verhalten hat ihn bereits 2009 berühmt gemacht. Forscher interpretierten diese Eigenart als ein Zeichen für vorausschauendes Denken, das bisher eigentlich als exklusiv menschlich galt. Nun hat Santino sogar noch einen draufgelegt: Er versteckt seine Munitionslager gezielt vor den Blicken der Zoobesucher unter Heuhaufen. So kann er Überraschungsangriffe starten, bevor sich die Opfer zurückziehen.
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Santino ist das dominante Männchen einer Schimpansengruppe, die in einem Freigehege mit Wassergraben im Zoo von Furuvik in Schweden lebt. Bereits seit über zehn Jahren wirft der Affenmann mit Begeisterung Steine auf Besucher. Er sammelt oder bricht sie gezielt aus dem Betonfundament des Geheges und vereinigt sie zu Waffenarsenalen, noch bevor die ersten Gäste eintreffen. Verletzt wurde durch den Steinhagel bisher niemand, dennoch hatte die Zooverwaltung Warnschilder anbringen lassen, die Besuchern rieten, sofort zurückzutreten, wenn das Tier aggressives Verhalten zeigt. Doch Santino hat sein Verhalten daraufhin offenbar entsprechend angepasst, berichten nun die Verhaltensforscher Mathias Osvath und Elin Karvonen von der Universität in Lund.
Raffinierte Strategie: Überraschungsangriff
Früher hatte der Schimpanse immer erst ein typisches Drohverhalten gezeigt und erst dann die Steine geworfen. Seine neue Strategie lautet dagegen: Unschuld heucheln. Er setzt sich dazu friedlich neben vermeintlich harmlose Heuhaufen – die er zuvor sorgfältig über seinen Waffendepots aufgetürmt hat. Das Heu holt er sich dazu extra aus dem Schlafbereich, so die Beobachtungen der Forscher. Wenn nun ahnungslose Besucher in gute Wurfweite kommen, greift Santino blitzschnell in sein geheimes Munitionslager und lässt Steine regnen. Den Forschern zufolge zeigt dies erneut eindrucksvoll, wie hochentwickelt der Verstand von Schimpansen ist. „Santino plant! Er bezieht etwas in seine Überlegungen ein, das noch nicht existiert: die Zukunft“, erklärt Osvath.
Es ist schon lange bekannt, dass Menschenaffen komplexe Verstandesleistungen erbringen. Beispielsweise brechen sie gezielt Zweige ab, um damit Termiten aus ihrem Bau zu angeln oder benutzen Steine zum Knacken von Nüssen. Doch dieses Verhalten konnte bisher immer auf einen konkreten, fassbaren Auslöser zurückgeführt werden und bezog nicht das Vorhersehen zukünftiger Bedingungen mit ein. Genau dies mache Santino aber – das gehe aus seinem Verhalten eindeutig hervor, sind die Verhaltensforscher überzeugt.
Mathias Osvath und Elin Karvonen (Universität in Lund): PLoS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0036782
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