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01.09.2000 - Medizin

Bandscheibenpatienten sollen gleich wieder laufen







Patienten sollen nach Bandscheiben- und Wirbelsäulenoperationen sofort wieder auf die Beine gestellt werden. "Schon am Nachmittag oder am nächsten Tag können Patienten aufstehen und ein paar Schritte gehen", sagte die Amerikanerin Margareta Nordin (Universität New York) am Donnerstag auf dem Welt-Wirbelsäulenkongress
in Berlin. "Die Aktivierung bringt viel bessere Ergebnisse als Wärmebestrahlung oder Massagen."

"Jede Bewegung ist besser als Liegen", betonte die Ärztin vom Orthopädischen Zentrum der University auf dem Kongress, der Freitag zu Ende geht. "Das gilt auch für den einfachen Rückenschmerz, den viele Menschen immer wieder mal haben." Natürlich seien Schmerzmittel und ein oder zwei Tage Ruhe erlaubt, aber nicht wochenlanges Stillliegen. Den Gesunden gab sie den Tipp, geschmeidig zu bleiben, Streckübungen zu machen und überhaupt auf allgemeine körperliche Gesundheit zu achten.

"Wer nach Operationen lange liegt, hat schlechtere Ergebnisse und eine langwierigere Heilung", bestätigte Robert Schönmayr, Chefarzt der Neurochirurgie der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden. Wie Nordin betonte er die Wichtigkeit der Aufklärung der Patienten, was sie nach einer Rückenoperation tun müssen. "Schlechte Heilung liegt oft an den unterschiedlichen Erwartungen von Patient und Arzt."

Die Operationsschnitte werden immer kleiner und belasten vor allem ältere Patienten weniger. Adolf Müller vom Klinikum Großhadern in München stellte auf dem von 1 200 Experten aus 66 Ländern besuchten Kongress eine neuartige Operationsmethode zum Anbringen von Stahlversteifungen zwischen zwei Wirbelkörpern vor.

"Statt den Rücken 15 Zentimeter lang aufzuklappen, benötigen wir nur noch maximal vier Schnitte", berichtete Müller. Die Stahlstreben würden über die kleinen Öffnungen eingefädelt wie ein Buddelschiff in eine Flasche. Das Verfahren sei bislang an zehn Patienten erprobt worden.

"Phantastische Erfolge" verzeichnet der Wiesbadener Schönmayr durch neuartige Gelkissen, die bei degenerativen Bandscheibenerkrankungen den gallertartigen Kern von Bandscheiben ersetzen können. Die Kissen werden in trockenem Zustand operativ in die Bandscheibe eingebracht und nehmen dort Feuchtigkeit auf. "Ihr Vorteil gegenüber starren Bandscheibenprothesen: Sie haben richtige Stoßdämpferfunktion", sagte Schönmayr.

In Wiesbaden wurden in den vergangenen vier Jahren 250 Patienten damit operiert, mehr als in anderen Ländern. "Die deutsche Ethik-Kommission hat ihr O.K. schneller gegeben als die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA", erläuterte Schönmayr. Das Gelkissen sei Ergebnis einer Kooperation der Schmidt-Kliniken mit Charles Ray vom Spine Institute in Norfork,Virginia.



dpa und bdw

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