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20.02.1998 - Paläontologie

Dinosaurier mit "Kamel-Höcker"?





Jeder kennt die merkwürdigen, stachelartigen Knochen, die einigen Dinosauriern wie gewaltige Dornen aus dem Rücken hervorstachen. Trotzdem diese seltsamen Fortsätze seit langem bekannt sind, ist ihre Funktion noch immer nicht völlig klar. Bislang wurde angenommen, daß die Dornen eine Art Stützfunktion für Hautsegel oder -flossen hatten. Wie eine neue Untersuchung jetzt jedoch ergab, deuten zumindest einige dieser Erscheinungen eher auf Höcker hin.

Hautsegel traten im Verlaufe der Evolution wahrscheinlich erstmals vor etwa 270 Millionen Jahren, im oberen Perm, bei Pelycosaurus, einem Vorfahren der Dinosaurier auf. Möglicherweise dienten sie diesen eher kleinen Kaltblütern als Wärmekollektoren. Diese Vorstellung über die Funktion der ungewöhnlichen Hautgebilde wurde während des letzten Jahrzehntes auch auf eine Reihe anderer, wesentlich größerer Dinosaurier aus der Oberkreide übertragen. Diese bedornten Reptilien lebten vor etwa 100 Millionen Jahren in Afrika und bedienten sich ihres ungewöhnlichen Organs als eine Art natürlicher Klimaanlage. Jack Bowman Bailey, Paläontologe an der Western Illinois University in Macomb meint jetzt jedoch, daß eine solche Funktion bei so großen Tiere unwahrscheinlich sei. Nach seiner Auffassung müßten in heißen Klimaten lebende Tiere dieser Größe dann zwangsläufig überhitzen. Bailey hat jetzt Untersuchungen angestellt, die darauf hindeuten, daß diese Dinosaurier eher wie Bisons aussahen und nicht wie Eidechsen. Er verglich die Abmessungen der Rückendornen von Ouranosaurus, einem pflanzenfressenden Dinosaurier, und Spinosaurus, einem Fleischfresser, mit der jeweiligen Tiefe des Brustkorbes und der Größe eines Wirbels. Dieselben Verhältniswerte ermittelte Bailey bei einigen Pelycosauriern mit Rückensegeln, bei (höckerigen) Bisons und bei (ebenfalls höckerigen) ausgestorbenen Hirschen und Kamelen. Letztere hatten, anders als die heutigen Vertreter dieser Tierart, ebenfalls Rückendornen in ihren Höckern. Die bei den Kreide-Dinosauriern festgestellten Werte liegen wesentlich näher bei denen der Säugetiere als bei denen der Pelycosaurier. Dies kann nach Ansicht Bailey's als Beleg dafür gelten, daß die Rückendornen, ähnlich wie bei den Bisons, eine Stützfunktion für das Fettgewebe im Höcker hatten. Der Höcker selbst, so Bailey weiter, diente wahrscheinlich sowohl als Energiereserve als auch als Hitzeschild. Dadurch war es den Tieren unter anderem möglich, weite Strecken zurückzulegen und ihren Aktionsradius wesentlich zu erweitern. Dies würde auf ein größeres Anpassungsvermögen dieser Tiere als bislang vermutet hindeuten.

Olaf Elicki, AP News

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