25.03.2003 - Hirnforschung
Bisexueller Zebrafink ist rechts männlich und links weiblich
Seltenes Exemplar lässt Forscher an der Theorie von hormoneller Prägung des Gehirns zweifeln
Ein seltenes Exemplar eines bisexuellen Zebrafinken stellt die Theorie in Frage, dass das Gehirn seine männliche oder weibliche Prägung ausschließlich durch Hormone erhält. Sowohl der Körper als auch das Gehirn des Vogels sind auf der rechten Seite männlich, auf der linken Seite weiblich, berichten amerikanische Forscher im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (Online-Vorabveröffentlichung).
Der bisexuelle Zebrafink: Typisch männliche Merkmale (orangener Backenfleck, Streifen und schwarzer Fleck auf der Brust) finden sich nur auf der rechten Seite.
Bereits äußerlich unterschied sich der Körper des Finken auf beiden Seiten deutlich: Nur auf der rechten Seite war das typisch männliche Muster mit einem orangen Backenfleck und schwarz-weißen Streifen auf der Brust zu finden. Zusätzlich hatte aber auch das Gehirn eine männliche und eine weibliche Hälfte. So war der Bereich, der für den geschlechtstypischen Gesang zuständig ist, auf der rechten Seite typisch männlich ausgeprägt. Ein bestimmtes weibliches Gen war dagegen nur in der linken Hirnhälfte aktiv.
Allerdings fanden die Forscher auch in der linken Gehirnhälfte einige Bereiche, die stärker männlich geprägt waren als bei einem typischen Weibchen. Das lässt darauf schließen, dass auch die Sexualhormone eine Rolle bei der Zellentwicklung spielten. Zukünftigen Studien müssten daher noch klären, in wie weit Hormone oder genetische Faktoren geschlechtstypische Hirnfunktionen steuern, sagen Arnold und seine Kollegen.
ddp/bdw – Christine Amrhein