head

NEWS - Druckversion
drucken >>

14.06.2004 - Hirnforschung

Zweisprachigkeit macht das Hirn fit

Forscher: Menschen mit zwei Muttersprachen sind geistig leistungsfähiger

Wer zweisprachig aufwächst, dessen Gehirn ist bis ins hohe Alter leistungsfähiger. Bei Menschen, die in ihrer frühen Jugend zwei Sprachen gelernt haben, sind viele Gehirnleistungen besser als bei Personen mit nur einer Muttersprache, haben Wissenschaftler der Universität York (Großbritannien) herausgefunden. Die Forscher unter Leitung von Ellen Bialystok veröffentlichen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Psychology and Aging (Vol. 19, No. 2, S. 290).

Die Wissenschaftler untersuchten bei 104 Test-Teilnehmern die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Die Probanden wurden in zwei Gruppen (30 bis 59 Jahre und 60 bis 88 Jahre alt) aufgeteilt und einem so genannten Simon-Test unterzogen. Dieser beruht auf der Messung von Reaktionszeiten bei schnell wechselnden Aufgabenstellungen mit einer zusätzlichen absichtlichen Ablenkung der Teilnehmer.

Viele ältere Menschen hatten Schwierigkeiten, sich den schnell ändernden Aufgabenstellungen anzupassen. Zweisprachige Probanden, die seit ihrem zehnten Lebensjahr beide Sprachen nahezu täglich benutzten, schnitten bei den Tests in beiden Altersgruppen jedoch weitaus besser ab als diejenigen, die lediglich eine Sprache beherrschen.

Die Forscher führen dieses Ergebnis darauf zurück, dass Menschen, die jahrzehntelang zwei Sprachen aktiv sprechen, gelernt haben, die unterschiedlichen, gleichzeitig eintreffenden Informationen besser zu verarbeiten. Sie müssen ständig diese beiden Sprachen im Gehirn trennen und können sich dadurch leichter auf komplexe Situationen einstellen. Diese Fähigkeit, die auch für andere Gedächtnisleistungen hilfreich seien, werden im Alter beibehalten, erklärt Bialystok.

ddp/bdw – Oliver Schmid Gehirn

© wissenschaft.de, Konradin Relations GmbH 2006