27.01.2007 - Astronomie
Mars schwitzt nicht
In den vergangenen Jahrmilliarden hat der rote Planet wenig Wasser über seine Atmosphäre verloren
Der Wüstenplanet Mars könnte noch riesige Wassermengen unter seiner Oberfläche verbergen, denn über die Atmosphäre kann er seine noch vor wenigen Milliarden Jahren vorhandenen riesigen Ozeane nicht an den Weltraum verloren haben. Das haben schwedische Forscher um Stas Barabash herausgefunden. Sie berechneten aus Satellitenmessungen, dass der Mars über die letzten 3,5 Milliarden Jahre nur die Menge einer knöcheltiefen planetaren Wasserlache verloren haben kann. Die größte Menge des auf dem Mars vermuteten Wassers müsse also noch unter der Oberfläche des Planeten zu finden sein.
Bis vor wenigen Milliarden Jahren bedeckte vermutlich ein globaler Ozean den Mars. Illustration: Nasa/Greg Shirah
Insgesamt kann der Mars über diesen Zeitraum eine Wasserhöhe von nur vier bis siebzig Zentimetern verloren haben. Aus anderen Studien wissen die Astronomen allerdings, dass sich in grauer Vorzeit deutlich mehr Wasser auf dem Mars befunden haben muss. So haben Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa aus anderen Daten des Mars Express Hinweise auf große Wassereisvorkommen unterhalb der Oberfläche geschlossen. Aus der Form der Oberfläche und Fließspuren schließen Forscher ferner auf die frühere Existenz planetenweiter Ozeane mit Wassertiefen von 600 Metern bis zu einem Kilometer.
Erst im vergangenen Jahr haben Forscher durch den Vergleich von um einige Jahre auseinander liegenden Fotos frische Fließspuren identifiziert. Sie glauben, dort müsse Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche durchgebrochen sein. Für Barabash und seine Kollegen ist demzufolge die Vermutung plausibel, dass der Mars sein Wasser noch unter der Oberfläche besitzt, wenn er es nicht an den Weltraum abgegeben hat. Weitere Untersuchungen sollten allerdings alternative Möglichkeiten wie Astroideneinschläge in Erwägung ziehen. Für die Weltraumforscher ist Wasser auf dem Mars nicht nur als Trinkwasser für zukünftige Marsmissionen interessant, sondern auch als Ausgangsstoff für den Wasserstoff und Sauerstoff in Raketentreibstoffen und als potenzielle Grundlage für Leben.
New Scientist, Online-Dienst
Originalarbeit der Forscher: Stas Barabash (Swedish Institute of Space Physics, Kiruna) et al: Science, Bd. 315, S. 501
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer