30.08.2007 - Paläontologie
Orchideen für die Dinosaurier
Einzigartiges Fossil belegt die lange Geschichte der edlen Blumen
Die Geschichte von Bienen und Blumen – genauer gesagt Orchideen – begann vor etwa 80 Millionen Jahren. Diese Erkenntnis verdanken amerikanische Forscher einem seltenen Fossil, einer in Bernstein eingeschlossenen Biene aus dem Erdzeitalter Miozän, an deren Rücken ein Orchideen-Pollenpaket haftete.
Diese kleine Orchidee aus dem Amazonas ist eine der nächsten lebenden Verwandten von Meliorchis caribea. Bild: Gustavo Romero
Santiago Ramírez und seine Kollegen entdeckten nun in einem Stück Bernstein, das ein Sammler vor sieben Jahren in der Dominikanischen Republik entdeckt hatte, eine Biene mitsamt einem verdächtigen Pollenpaket. Der Bernstein ist 15 bis 20 Millionen Jahre alt. Der Pollen, so ergab die Analyse der Forscher, gehörte zu einer Orchidee aus der Unterfamilie Goodyerinae. Die Forscher gaben der neuen Art den Namen Meliorchis caribea. Wie sie schreiben, musste die Biene wahrscheinlich vollständig in die röhrenförmige Blüte hineinschlüpfen, um die Orchidee zu bestäuben. Bei modernen Verwandten von Meliorchis brauchen die Bestäuber lediglich auf der Lippe zu landen, das Pollenpaket bleibt meist an den Mundwerkzeugen der Biene kleben und nicht auf dem Rücken.
Das Fossil gab den Forschern die Möglichkeit, die molekulargenetischen Uhren besser einzustellen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Orchideen sich vor etwa 80 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten, den Spargelgewächsen, trennten. Allerdings entwickelten sie wohl erst nach dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren eine große Vielfalt. Die Vanillepflanzen zählen demnach zu den ältesten Orchideen.
Santiago Ramírez (Harvard Universität) et al.:
Nature, Bd. 448, S. 1042
Ute Kehse