17.10.2007 - Medizin
Widerstand im Ohr
Forscher finden multiresistente Erreger von Mittelohrtzündungen
Seit der Einführung eines Impfstoffs gegen Mittelohrentzündung im Jahre 2000 hat sich in den USA ein resistenter Erreger entwickelt, der auf keines der herkömmlichen Antibiotika mehr anspricht. Es handelt sich dabei um einen Stamm des Bakteriums Streptococcus pneumoniae, das neben Mittelohrentzündungen auch andere Infekte, etwa Hirnhaut- oder Lungenentzündungen, verursachen kann. Entdeckt haben ihn amerikanische Mediziner bei neun Kindern, die trotz Schutzimpfung an einer Mittelohrentzündung erkrankt waren.
Auch unter den Streptokokken gibt es multiresistente Erreger. Bild: wikipedia.de
Da die Einführung von Impfungen häufig mit Veränderungen der Erreger einhergeht, untersuchten Pichicherio und Casey nun, ob es solche Modifikationen mittlerweile auch bei Streptococcus pneumoniae gibt. Dabei entdeckten sie bei 9 von 59 mit den Bakterien infizierten Kindern eine Erregervariante mit verändertem Erbgut, die resistent gegen alle bei akuter Mittelohrentzündung in den USA zugelassenen Antibiotika war. Auch wenn die Anzahl der Erkrankungen durch den antibiotikaresistenten Erreger recht gering sei, seien die Ergebnisse der Studie doch besorgniserregend, so die Wissenschaftler. Die Entwicklung eines verbesserten Impfstoffs sei daher früher nötig als erwartet.
PCV7 ist auch in vielen Ländern Europas zugelassen, darunter auch in Deutschland. Seit 2005 wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlen. Mittlerweile laufen auch bereits verschiedene klinische Studien zu neuen Impfstoffen, die statt sieben elf oder sogar dreizehn Erregervarianten erfassen.
Michael Pichicherio, Janet Casey (Universität von Rochester, New York): JAMA, Band 298, Seite 1772
ddp/wissenschaft.de – Gesa Graser