19.12.2007 - Astronomie
Angriff in neuen Dimensionen
Ein Schwarzes Loch feuert auf benachbarte Galaxie
Amerikanische Astronomen haben ein Schwarzes Loch entdeckt, das einen gewaltigen Teilchenstrahl auf eine benachbarte Galaxie schleudert. Dieser sogenannte Jet bombardiert das Sternensystem fast in Lichtgeschwindigkeit mit riesigen Mengen von Energie in Form von Teilchen und Gammastrahlung – ein von Astronomen bisher noch nie beobachtetes Ereignis. "Wir haben schon viele solcher von Schwarzen Löchern produzierten Jets gesehen, doch noch niemals einen Jet, der auf einen andere Galaxie trifft", erklärt Studienleiter Dan Evans vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik in Cambridge.
Neue Entdeckung: Gezeigt wird das System 3C321, in der ein Jet ausgehend von dem Zentrum der größeren Galaxie (links unten) nach rechts oben feuert. Das Bild kombiniert Daten von Chandra (violet), Hubble (rot und orange) dem Very Large Array (VLA) und MERLIN (blau). Bild: X-ray: NASA / CXC / CfA / D.Evans et al.; Optical/UV: NASA / STScI; Radio: NSF / VLA / CfA / D.Evans et al., STFC / JBO / MERLIN
Diese Illustration von 3C321 zeigt die beiden Galaxien. Der Jet geht von einem supermassiven Schwarzen Loch innerhalb der größeren Galaxie aus und trifft die kleinere Galaxie. Bild: NASA / CXC / M. Weiss
Die Entdeckung gibt den Astronomen die Chance, mehr über solche gewaltigen Jets und ihre Auswirkungen im Weltall zu erfahren. So beobachteten sie dort, wo der Energiestrahl in die Galaxie trifft, ein Aufleuchten und eine Ablenkung des Strahls. Gezeigt hat die Untersuchung auch die nach astronomischen Begriffen kurzen Zeitdimensionen, in denen solche Ereignisse stattfinden. So dürfte das Schwarze Loch nach den Schätzungen der Astronomen erstmals vor etwa einer Million Jahren die Nachbargalaxie mit seinem Jet getroffen haben. So vernichtend die auftreffenden Energiemengen für Sterne, Planeten und mögliches Leben im Einflussbereich des Jets kurzfristig auch sein können – auf lange Sicht könnten sie möglicherweise sogar zur Bildung neuer Sternen und Planeten beitragen, erklären die Wissenschaftler.
Mitteilung der Nasa
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald