09.04.2008 - Biologie
Des Hamsters wahrer Biorhythmus
Die Nager sind unter natürlichen Bedingungen tagaktiv
Als Labor- und Haustiere sind Goldhamster nachtaktiv, unter natürlichen Bedingungen dagegen tagaktiv. Das haben Forscher um Rolf Gattermann von der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg beobachtet. Der Tagesrhythmus wird bei den Nagetieren auf komplexe Weise durch Umwelteinflüsse reguliert, berichten die Wissenschaftler. Sie stellen daher infrage, ob die unter Laborbedingungen dokumentierten Tagesrhythmen im natürlichen Lebensraum überhaupt auftreten.
Goldhamster sind in Gefangenschaft nachtaktiv. Bild: Caronna, Wikipedia (Wikimedia Commons)
Während dieser aktiven Phasen waren die Tiere vor allem auf Nahrungssuche. In der dazwischenliegenden Mittagszeit wie auch in der Nacht fand fast keine Aktivität statt. Die Forscher vermuten, dass die Tiere diese Strategie anwenden, um nachtaktive Fressfeinde sowie hohe Temperaturen zur Mittagszeit zu vermeiden. Der Tagesrhythmus der freilebenden Goldhamster unterscheidet sich somit stark von dem der Labortiere, die zu 80 Prozent in der Nacht aktiv sind. Die Forscher schlagen daher vor, Versuchstiere auch unter natürlichen Bedingungen zu untersuchen.
Die meisten Tiere sind über einen Zeitraum von 24 Stunden periodisch aktiv, wobei die Aktivität mit dem Tageslichtzyklus zusammenhängt. Gesteuert wird dieser Rhythmus durch ein Zusammenspiel biochemischer und neuronaler Vorgänge und durch Einflüsse der Umwelt. Bei der Erforschung dieser Zyklen von Säugetieren wird oft der Goldhamster als Modellorganismus verwendet, da sein Rhythmus sehr konstant ist.
Rolf Gattermann (Martin-Luther-Universität) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2008.0066
ddp/wissenschaft.de – Michael Böddeker