18.08.2008 - Medizin
Uraltes Wissen im Immunsystem
Überlebende der Spanischen Grippe sind noch nach 90 Jahren immun
Das Immunsystem des Menschen kann ein extrem langes Gedächtnis für vergangene Virusinfektionen haben: Amerikanische Forscher haben aus dem Blut von Überlebenden der Spanischen Grippe des Jahres 1918 Antikörper isoliert, die auch noch 90 Jahre später das die Pandemie verursachende Virus 1918 H1N1 in Schach halten. Mit dem Virus infizierte Mäuse überlebten nur dann, wenn sie eine Injektion der menschlichen Antikörper erhielten. Die Forscher um James Crowe von der Vanderbilt-Universität in Nashville zeigten sich überrascht von dem langen Immungedächtnis der mittlerweile hundert Jahre alten Überlebenden. Sollte der Erreger der Spanischen Grippe oder verwandte Viren wieder auftauchen, so lassen sich mit den Erkenntnissen Impfstoffe entwickeln.
Die Spanische Grippe forderte 1918 wahrscheinlich mehr als 25 Millionen Todesopfer weltweit.Bild: National Museum of Health and Medicine, Washington
Im nächsten Schritt vervielfachten die Forscher die Antikörpermenge und untersuchten sie auf eine therapeutische Wirkung im Mäuseversuch. Sie infizierten die Mäuse mit dem rekonstruierten Virus 1918 H1N1 und injizierten nach einem Tag die Antikörper. Dadurch entkamen die Nager dem Tod. Die Forscher untersuchten, ob die Antikörper auch Infektionen mit anderen Virusvarianten des Typs H1N1 in Schach halten, die im 20. Jahrhundert auftraten. Da hier nur eine geringe bis gar keine Reaktion auftrat, sind die Forscher weitgehend sicher, dass die Testpersonen tatsächlich über 90 Jahre hinweg ihre Grundimmunisierung gegen die Spanische Grippe erhalten haben. Die Forscher hoffen, ihre Erkenntnisse für die Impfstoffentwicklung nutzbar zu machen. Die Spanische Grippe raffte in den Jahren 1918 bis 1920 weltweit mehr als 25 Millionen Menschen dahin.
James Crowe (Vanderbilt-Universität in Nash) et al.: Nature Medicine, DOI: 10.1038/nature07231
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer