24.10.2008 - Psychologie
Was Buchstaben farbig macht
Unter Hypnose verknüpfen sich auch bei Nicht-Synästhetikern verschiedene Sinne
Unter Hypnose beginnen manche Menschen, beim Lesen von Buchstaben und Zahlen Farben zu sehen, obwohl sie sonst keine Synästhetiker sind. Das haben Wissenschaftler vom University College London nachgewiesen. Unter der Leitung von Roi Cohen Kadosh gelang es den Forschern sogar, dass einige Probanden auch nach dem Ende der Hypnose Zahlen und Farben untrennbar miteinander verbanden. Die Zahl Eins nahmen die Teilnehmer dann beispielsweise immer in Rot wahr. Die Forscher glauben daher, dass Synästhesie nicht auf einer angeborenen Besonderheit im Gehirn basiert, sondern auch durch Enthemmungsprozesse ausgelöst werden kann.
Unter Hypnose kann eine Verknüpfung zwischen Zahlen und Farben suggeriert werden, die auch noch nach der Hypnose anhalten kann.Foto: Membeth Wikipedia.de
Welche Prozesse im Gehirn für Synästhesie verantwortlich sind, ist unter Forschern bislang umstritten. So glauben einige Wissenschaftler, dass bei Synästhetikern verschiedene Gehirnareale intensiver miteinander in Verbindung stehen. Eine andere Gruppe von Forschern, zu denen auch Kadosh zählt, geht dagegen davon aus, dass die unterschiedliche Ausprägung von Blockierungsprozessen innerhalb des Gehirns entscheidend für Synästhesie ist.
Um ihre Annahme zu untersuchen, hypnotisierten die Wissenschaftler freiwillige Testpersonen. Die Annahme dahinter war, dass die Blockierungsprozesse durch die Hypnose gelockert werden. Während der Hypnose suggerierten die Wissenschaftler den Probanden daher eine Verknüpfung von Farben und Zahlen. Bei einigen Teilnehmern ließen sie diese Suggestion mit Hilfe eines posthypnotischen Befehls auch nach Ende der eigentlichen Hypnose anhalten. Diese Teilnehmer zeigten anschließend ähnliche Symptome wie Synästhetiker: So konnten sie eine schwarz gedruckte Eins vor einem rotem Hintergrund nicht richtig erkennen, da die Zahl Eins während der Hypnose ebenfalls als rot gekennzeichnet worden war. Kadosh und seine Kollegen sehen darin einen Beweis, dass keine besonderen Verbindungen im Gehirn für Synästhesie nötig sind.
Roi Cohen Kadosh (University College London) et al.: Psychological Science , Bd. 19, Nr. 10.
ddp/wissenschaft.de – Markus Zens