12.02.2009 - Astronomie
Eine dunkle Bedrohung
Dunkle Kometen lauern am Rand des Sonnensystems
In den Außenbereichen des Sonnensystem könnten Scharen von dunklen Kometen herumschwirren, die auch der Erde gefährlich werden könnten. Auf bis zu 3.000 Exemplare schätzen die Astronomen Bill Napier von der Universität in Cardiff und David Asher vom Armagh-Observatorium in Nordirland die Zahl dieser Himmelskörper. Bislang sind nur 25 aktive Kometen bekannt. Die Schwingung des Sonnensystems um die Galaktische Ebene lenkt immer wieder Kometen aus entfernten Regionen Richtung Sonne ab. Diese Kometen haben höhere Geschwindigkeiten als Asteroiden und sind dadurch gefährlicher. Astronomen sollten daher bei ihren Beobachtungen verstärkt nach diesen Kometen Ausschau halten, raten die Wissenschaftler.
Der Halleysche Komet ist aufgrund seines Schweifs leicht erkennbar. Das gilt nicht für alle Kometen. Foto: NASA/Kuiper Airborne Observatory
Vermutlich sind die reflektierenden Eisschichten auf diesen dunklen Kometen längst abgedampft. Die übrig gebliebene Oberflächenkruste reflektiert dann kaum noch das Licht und ist damit für Teleskope nur noch schwer auszumachen. Einige Beobachtungen stützen die These von den dunklen Kometen: Beim 1983 in Erdnähe vorbeirasenden Kometen IRAS-Araki-Alcock war nur rund ein Prozent der Oberfläche aktiv. Der 2001 beobachtete Komet Borrelly hatte große schwarze Flecken. Schwarz bedeutet allerdings nicht unsichtbar, betonen andere Astronomen. Solche Kometen könnten trotzdem das Sonnenlicht absorbieren und wären durch die abgegebene Wärmestrahlung zu entdecken.
Die Astronomen betonen, dass die dunklen Kometen doppelt so schnell sind wie Asteroiden in erdnahen Orbits. Die Vorwarnzeit wäre kürzer und die Gefahren für das Leben auf der Erde größer. Ein kleines Exemplar dieser Kometen könnte das sogenannten Tunguska-Ereignis ausgelöst haben, bei dem im Jahr 1908 ein Einschlag in Sibirien 2.000 Quadratkilometer Wald zerstört hat.
New Scientist (Nr. 2695, S. 11)
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer