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13.05.2009 - Hirnforschung

Wenn das Gehirn nicht versteht

Hörprobleme haben ihre Ursache nicht immer in Schwerhörigkeit

Wenn alte Menschen Gespräche nicht mehr richtig verstehen, muss nicht zwangsläufig ihr Gehör schlecht sein. Veränderungen im Gehirn können ebenso für die Verständnisprobleme verantwortlich sein, haben amerikanische Forscher in einer Studie gezeigt. Die Wissenschaftler fanden bei Probanden, die große Schwierigkeiten beim Verfolgen von Gesprächen hatten, auch eine geringe Gehirnmasse im Hörzentrum – dem Bereich des Gehirns, der für die Spracherkennung wichtig ist, berichten Kelly Harris von der Medical University of South Carolina in Charleston und ihre Kollegen.

Viele ältere Menschen können Gesprächen trotz Hörgerätes nicht folgen – das Gehirn ist Schuld, sagen Forscher. Foto: Mike Krzeszak, cc-by-nd-Lizenz
Viele ältere Menschen klagen trotz Hörgeräts darüber, dass sie Gespräche nur sehr schlecht verfolgen können, besonders unter anspruchsvollen Bedingungen wie zum Beispiel in vollen Restaurants. Forscher hatten bereits vermutet, dass dieser Rückgang des Verstehens von Sprache zum Teil unabhängig von Schwerhörigkeit ist. Kelly Harris und ihre Kollegen scannten das Gehirn von 38 Probanden, davon 18 jüngere im Alter von 19 bis 39 Jahren und 18 ältere Menschen zwischen 61 und 79 Jahren, während diese versuchten, gesprochene Worte zu verstehen.

Wie erwartet konnten die Jüngeren mehr Worte identifizieren als die Älteren. Bei den Probanden, die am schlechtesten abschnitten, beobachteten die Forscher in den sogenannten Heschl-Querwindungen im Hörzentrum in der Großhirnrinde die wenigste Gehirnsubstanz.

Die Verbindung zwischen weniger Gehirnmasse im Hörzentrum und schlechterem Hörverstehen zeigte sich genauso auch bei den jüngeren Versuchsteilnehmern. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die Entwicklung immer besserer Hörgeräte nur einem Teil der alten Menschen mit Verständnisproblemen helfen kann, folgern die Forscher. Den anderen könne nur durch Wiederaufbau des Hörzentrums im Gehirn geholfen werden – keine leichte Aufgabe, schließen die Forscher.

Kelly Harris (Medical University of South Carolina, Charleston) et al.: Journal of Neuroscience, Online-Vorabveröffentlichung

ddp/wissenschaft.de – Bele Boeddinghaus

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