13.05.2009 - Hirnforschung
Wenn das Gehirn nicht versteht
Hörprobleme haben ihre Ursache nicht immer in Schwerhörigkeit
Wenn alte Menschen Gespräche nicht mehr richtig verstehen, muss nicht zwangsläufig ihr Gehör schlecht sein. Veränderungen im Gehirn können ebenso für die Verständnisprobleme verantwortlich sein, haben amerikanische Forscher in einer Studie gezeigt. Die Wissenschaftler fanden bei Probanden, die große Schwierigkeiten beim Verfolgen von Gesprächen hatten, auch eine geringe Gehirnmasse im Hörzentrum – dem Bereich des Gehirns, der für die Spracherkennung wichtig ist, berichten Kelly Harris von der Medical University of South Carolina in Charleston und ihre Kollegen.
Viele ältere Menschen können Gesprächen trotz Hörgerätes nicht folgen – das Gehirn ist Schuld, sagen Forscher. Foto: Mike Krzeszak, cc-by-nd-Lizenz
Wie erwartet konnten die Jüngeren mehr Worte identifizieren als die Älteren. Bei den Probanden, die am schlechtesten abschnitten, beobachteten die Forscher in den sogenannten Heschl-Querwindungen im Hörzentrum in der Großhirnrinde die wenigste Gehirnsubstanz.
Die Verbindung zwischen weniger Gehirnmasse im Hörzentrum und schlechterem Hörverstehen zeigte sich genauso auch bei den jüngeren Versuchsteilnehmern. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die Entwicklung immer besserer Hörgeräte nur einem Teil der alten Menschen mit Verständnisproblemen helfen kann, folgern die Forscher. Den anderen könne nur durch Wiederaufbau des Hörzentrums im Gehirn geholfen werden – keine leichte Aufgabe, schließen die Forscher.
Kelly Harris (Medical University of South Carolina, Charleston) et al.: Journal of Neuroscience, Online-Vorabveröffentlichung
ddp/wissenschaft.de – Bele Boeddinghaus