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03.07.2009 - Biologie

Das Geheimnis um Schottlands schrumpfende Schafe

Klimawandel und milde Winter sorgen für kleinere Lämmer

Der Klimawandel lässt die Schafe in Schottland schrumpfen, berichten britische Forscher. Im Zuge der Klimaerwärmung sind die Winter in Schottland milder geworden, wovon besonders Jungtiere profitieren, die dadurch weniger harschen Bedingungen ausgesetzt sind. Weil es wärmer ist, müssen sie sich auch keine ganz so dicke Fettschicht anfressen, um den Winter zu überleben. Dadurch werden sie insgesamt kleiner, konnten die Forscher nachweisen. Die Klimaveränderung wirkt dadurch einer natürlichen Auslese von großen und starken Tieren entgegen, berichten die Wissenschaftler.

Das schottische Soayschaf schrumpft. Foto: Arpat Ozgul
Schon vor zwei Jahren hatten die Wissenschaftler um Tim Coulson aus London festgestellt, dass die Soayschafe auf der schottischen Insel Hirta kleiner geworden sind. Den Grund dafür konnten sie sich jedoch nicht recht erklären. Durch die natürliche Selektion sollten die Tiere eigentlich größer werden, denn größere Tiere haben eine bessere Chance, die kalten schottischen Winter zu überleben. Vermutlich sind es aber gerade diese Winter, die die Schafe kleiner werden lassen: Durch die Klimaerwärmung ist die kalte Periode nämlich kürzer und milder geworden. Früher hätten nur die großen, gesunden Lämmer, die im ersten Sommer nach ihrer Geburt stark an Gewicht zulegten, die rauen Winter auf Hirta überlebt, heute haben auch weniger kräftige die Chance dazu, sagt Coulson.

Um diese Vermutung zu bestätigen, analysierten die Forscher Daten, die über 25 Jahre bei einer Gruppe weiblicher Soayschafe auf Hirta gesammelt wurden. Tatsächlich scheinen Jungtiere in den ersten Monaten nach ihrer Geburt heute weniger an Gewicht zuzulegen als früher – wohl, weil sie weniger Fettreserven aufbauen müssen, um zu überleben. Das Wachstum der Jungtiere hat insgesamt abgenommen, haben die Wissenschaftler festgestellt. Dazu kommt noch ein anderer Effekt, den die Forscher „young mum effect“ nennen: Die Mütter sind bei der Geburt ihrer Jungen im Durchschnitt jünger und gebären kleinere Lämmer.

Das geringere Gewicht der Jungtiere hält sich anscheinend bis ins Erwachsenenalter, denn auch das Gewicht der älteren Schafe hat im Verlauf der vergangenen 25 Jahre um rund fünf Prozent abgenommen. Es ist aber nicht das Gewicht allein, das sich verändert hat, sondern auch die Länge der Hinterbeine. Die Schafe scheinen also wirklich kleiner und nicht nur leichter geworden zu sein. Es seien tatsächlich Umweltfaktoren und nicht eine natürliche Selektion, die die Schafe kleiner werden lassen, sagen die Forscher. Die Ergebnisse zeigen, wie weitreichend die Auswirkungen von Klimaveränderungen sein können. "Leider ist es aber noch zu früh, um sagen zu können, ob die Klimaerwärmung Schafe im Taschenformat hervorbringen wird", scherzt Studienleiter Coulson.

Tim Coulson (Imperial College, London) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichung doi:10.1126/science.1173668

ddp/wissenschaft.de – Stefanie Strauch

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