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11.01.2010 - Gesundheit

Lichtblick für Migräne-Patienten

Fotorezeptoren sind schuld an der Abneigung gegen Helligkeit

Patienten ertragen bei Migräneanfällen kein Licht, denn es verschlechtert ihren Zustand massiv. Den Grund dafür haben nun US-Wissenschaftler herausgefunden: Spezielle lichtsensitive Rezeptorzellen in der Netzhaut schicken ihre Signale über den Sehnerv direkt zu den Nervenzellen im Gehirn, die bei Migräne aktiv sind. Durch die Impulse werden die Neuronen innerhalb von Sekunden aktiv und sie bleiben es auch, weshalb sich die pulsierenden Kopfschmerzen selbst in dunklen Räumen noch 20 bis 30 Minuten lang verstärken.

Auf die Spur gekommen sind die Wissenschaftler dem Signalweg vom Auge in das Gehirn durch einen Vergleichstest mit blinden Menschen. Die eine Personengruppe konnte wegen Krankheiten wie Netzhautkrebs oder Grünem Star weder Bilder noch Licht sehen, zudem war ihr Schlaf-Wach-Zyklus gestört. Die andere Gruppe litt unter Netzhautdegeneration, besaß aber noch ein Minimum an Lichtsensitivität und hatte einen gewöhnlichen Lebensrhythmus. „Die völlig blinden Patient erlitten keinerlei Verschlechterung der Migräne durch Lichteinwirkung, bei der zweiten Gruppe aber intensivierte sich der Schmerz“, berichtet Rami Burstein vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston. Der Mechanismus für die Lichtabneigung, so die Schlussfolgerung, musste also mit dem Sehnerv verbunden sein sowie den einzigen noch intakten Helligkeitssensoren: den Lichtrezeptoren mit Melanopsin. Dieses Protein ist mit beteiligt an der Kontrolle von Wach- und Schlafzustand.

Im Labor spritzen die Forscher einen Farbstoff in das Auge einer Ratte. Ausgehend von den angeregten Melanopsin-Lichtrezeptoren entstand ein Fluss von elektrischen Signalen genau zu den Migräne-Nervenzellen im Thalamus. Dieser Gehirnbereich entscheidet, welche Informationen die Großhirnrinde erreichen dürfen, um so dem Menschen bewusst zu werden. Die schnelle Aktivierung der Nervenzellen erklärt nach Ansicht der Wissenschaftler auch, warum Patienten darüber klagen, dass sich ihre Kopfschmerzen innerhalb von Sekunden unter Helligkeitseinfluss verstärken. Nun soll nach Wegen gesucht werden, den Signalfluss zu blockieren, so dass Migränepatienten wenigstens ihre Lichtphobie ablegen können.

Migräne-Attacken gehen einher mit halbseitigen Kopfschmerzen, häufig mit Licht- und Lärmüberempfindlichkeit, Übelkeit, Sehstörungen und neurologischen Ausfällen. Als Auslöser der Migräne werden bestimmte Nahrungsmittel, Schlafmangel, Stress und hormonelle Einflüsse diskutiert – nach gängiger Meinung wird die Hirnhaut gereizt, was wiederum Schmerzrezeptoren und damit Nervenzellen im Gehirn stimuliert.

Rami Burstein (Beth Israel Deaconess Medical Center, Boston) et al.: Online-Vorabveröffentlichung Nature Neuroscience, doi: 10.1038/nn.2475

ddp/wissenschaft.de – Rochus Rademacher

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