14.01.2010 - Psychologie
Beim Poker sind die Gewinner häufig auch Verlierer
Mit der Zahl der Siege steigt auch das Risiko großer Verluste
Pokerspieler verlieren umso mehr Geld, je mehr Spiele sie gewinnen. Das hat Kyle Siler von der Cornell University in New York herausgefunden, indem er mit Hilfe einer Software 27 Millionen Pokerblätter analysierte. Was zunächst paradox klingt, lässt sich nach Ansicht von Siler leicht erklären: Anfangs machen die Spieler nur kleine Einsätze. Nach einer Gewinnserie steigen jedoch das Selbstbewusstsein und der Mut der Teilnehmer und sie setzen mehr. Ein einziges verlorenes Spiel zehrt dann meist sämtliche Gewinne auf einen Schlag auf. Anfänger sind von diesem Phänomen besonders betroffen, während Profispieler nicht nur die Zahlen-Wahrscheinlichkeiten im Kopf, sondern auch ihre Emotionen besser im Griff haben.
Im Eifer des Gefechts lassen sich Pokerspieler häufig von Emotionen anstelle von Zahlen-Wahrscheinlichkeiten leiten. Foto: www.flickr.com, Shad Bolling, cc-by-Lizenz
Siler interessierte sich vor allem deshalb für Pokerspieler, weil sich ihr Verhalten seiner Ansicht nach auf viele Bereiche des alltäglichen Lebens übertragen lässt: Risikoabwägungen spielen überall eine Rolle, ob beim Überqueren einer Straße, der Entscheidung für oder gegen das Fremdgehen oder bei Spekulationen an der Börse. "Wenn Menschen wenig riskieren und dabei regelmäßig Glück haben, riskieren sie irgendwann viel – entsprechend groß sind dann die Verluste."
Kyle Siler (Cornell University, New York) et al.: Journal of Gambling Studies , Onlinevorabveröffentlichung,
doi: 10.1007/s10899-009-9168-2
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht