Sonnenfinsternis 99 < Finsternis total < Das Pendel des Monsieur Allais

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Ein eigenartiges Gravitationsphänomen, das vor 40 Jahren während zweier Sonnenfinsternisse beobachtet wurde, kann bis zum heutigen Tag nicht erklärt werden. NASA-Wissenschaftler wollen am 11. August dem "Geheimnis des Pendels" auf die Spur kommen.
Die Entdeckung...
Maurice Allais war bereits seit einiger Zeit einer Frage auf der Spur: Gibt es eine Wechselwirkung zwischen der Gravitationskraft und der Magnetismus der Erde? Um eventuelle Anomalien und Zusammenhänge herauszufinden, experimentierte Allais mit einem Foucaultschen Pendel. Dieses Instrument wurde ursprünglich von dem französischen Physiker Jean Foucault konstruiert, um die Rotation der Erde um ihre eigene Achse experimentell nachzuweisen. Aber Allais war leider völlig auf dem Holzweg: Trotz jahrelanger Experimente mit Pendeln aus Glas und Maurice Allais (Nobel)Metall konnte er keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Kräften finden. Doch während der Sonnenfinsternis vom 30. Juni 1954 geschah etwas Außergewöhnliches – Allais berichtet davon in seinem Artikel für die englische "Aero/Space Engeneering:

"Eine außergewöhnliche Störung des Pendels wurde während der totalen Sonnenfinsternis am 30. Juni 1954 beobachtet, die nicht als Folge einer zufälligen Störung angesehen werden kann. Ebensowenig ist sie das Produkt eines indirekten Einflusses bekannter Faktoren wie Temperatur, Druck, Magnetismus etc. Und schließlich kann der Effekt auch nicht mit einer periodischen Gezeitenwirkung erklärt werden."

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...und der Zweifel
Fourcaultsches Pendel (Univ. of. Guleph)Doch woher kommt der Effekt, den Allais beobachtet haben möchte. Wissenschaftler der NASA vom Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, die mit der Erforschung der Gravitation und Gravitationsanomalien beschäftigen, wollen nun das fast fünfzig Jahre alte Geheimnis lüften. "Wenn einem Foucaultschen Pendel während einer totalen Sonnenfinsternis etwas seltsames passiert, dann ist das wirklich mysteriös", sagt David Noever, der gemeinsam mit seinem Kollegen Ron Koczor die Anomalien erforschen will. "Handelt es sich um Gravitationseffekte, eine bestimmte Erscheinung von Gezeiten oder irgend etwas ganz anderes? Der Gedanke, das hier eine unerklärbare Gravitationserscheinung an der Arbeit ist, erscheint abenteuerlich, vor allem, wenn man annimmt, daß dies bedeuten würde, daß über lange Zeiträume gesehen die Planeten aus ihren Bahnen herausgeschleudert würden."

Die Frage ist auch: Wenn bei einer Sonnenfinsternis etwas passiert, warum gibt es dann nicht auch bei jedem Neumond eine Gravitationsanomalie? Immerhin liegen auch bei Neumond wie bei einer Sonnenfinsternis Erde, Mond und Sonne in einer Linie – zwar nicht so exakt, daß der Mond die Sonne verdeckt, doch die Abweichung ist relativ gering. Die von Allais beobachteten Effekte traten jedoch ausschließlich bei totalen Sonnenfinsternissen auf.

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"Man kann ja nie wissen"
Aber die Beiden wollen es nun trotzdem genau wissen – denn schließlich galt Allais trotz seiner "Nebenbeschäftigung" als Wirtschaftswissenschaftler, für die er 1988 den Nobelpreis erhielt, als fähiger und penibler Physiker. Und auch für diese Tätigkeit erhielt er Preise: 1959 den Galabert-Preis der Französischen Astronomischen Gesellschaft und im gleichen Jahr den Jahrespreis der US-Stiftung zur Gravitationsforschung. Und er wiederholte seinen Pendelversuch zur Überprüfung des Phänomens während der Sonnenfinsternis am 22. Oktober 1959 – mit demselben Ergebnis.

Gravimeter (NASA/MSFC)Es lohnt sich also, noch einmal genauer nachzuschauen. "Es könnte sein, daß Allais über etwas ganz Wichtiges gestolpert ist", so Noever. "Deshalb wollen wir uns auch nicht über fünfzig Jahre alte Aufzeichnungen den Kopf zerbrechen, sondern unsere Ärmel hochkrempeln und versuchen, den Effekt direkt zu erkennen. Wenn an Allais Störung etwas dran ist, und es hat etwas mit Gravitation zu tun, werden wir es messen können". Die hochsensiblen Gravimeter am MSFC können sogar die Anziehungskraft eines vorbeifahrenden Autos erkennen. Bei einem Effekt, der so stark sein soll, daß er ein Pendel in Unruhe bringt, würden die Meßgeräte sofort Alarm schlagen.

Die Meßwerte werden mit den Ergebnissen eines Forscherteams aus Denver im US-Bundesstaat Colorado verglichen, um störende Einflüsse herauszufiltern, die nicht mit der Sonnenfinsternis zusammenhängen. Auch wollen Noever und seine Kollegen Kontakt mit Wissenschaftlern aufnehmen, die ein Foucaultsches Pendel betreiben Sie sollen während der Eklipse Allais Pendelversuch exakt wiederholen. Vor allem Standorte in der Nähe des Finsternispfades sind gefragt, wie beispielsweise im Justizpalast von Brüssel, in der St. Isaacs-Kathedrale in St. Petersburg oder im Pariser Pantheon, wo sich das Orginalpendel von Jean Foucault befindet (Pendellänge: 67m; Pendelmasse: 28kg). Doch Noever dämpft zu hohe Erwartungen: "Das wahrscheinlichste Ergebnis unserer Arbeit wird sein, daß überhaupt nichts Außergewöhnliches passiert", gibt Noever zu bedenken. "Aber man weiß ja nie".

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Links zum Thema
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Wie zeigt ein Pendel die Erddrehung an?

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Ein ungewöhnliches Forscherleben

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Pendelt im Pantheon in Paris

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