3D-Kino mit Schwächen - wissenschaft.de
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3D-Kino mit Schwächen

Dreidimensionale Filme sollen Kinobesuchern ein neues Filmerlebnis bescheren. Doch bislang ist kaum ein Kino in Deutschland auf die neue Technologie vorbereitet.

Ende Januar war es so weit: Der Animationsfilm „Bolt – ein Hund für alle Fälle“ des Hollywood-Studios DreamWorks kam in die Kinos – und läutete dort eine neue Ära ein: das Zeitalter der dreidimensionalen Filme. Auch die Filmstudios Pixar und 20th Century Fox haben angekündigt, ihre 2009 erscheinenden animierten Streifen dem Publikum in 3D zu präsentieren. Doch nicht nur Trickfilme sollen mittels dieser Vorführtechnik für ein neues Kinoerlebnis sorgen und damit mehr Besucher in die Kinosäle locken. Im März startet die Neuverfilmung des Jules-Vernes-Klassikers „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ mit Darstellern aus Fleisch und Blut. Bis Ende 2009 sollen rund 20 Filme im 3D-Format anlaufen.

Die Idee, Filme mit dreidimensionalen Effekten zu drehen, ist nicht neu. Die ersten 3D-Filme waren bereits 1950 in den Kinos zu sehen. Um die Zuschauer ins Geschehen auf der Leinwand einzubeziehen, arbeiteten die Filmemacher schon damals mit der stereoskopischen Bildwiedergabe. Ihr Prinzip: Man setzt zwei Projektoren mit Polarisations- oder Farbfiltern vor der Linse ein, von denen jeder nur eine Sequenz zeigt, die auf das linke oder rechte Auge ausgerichtet ist. Damit beide Bildfolgen im Gehirn ein räumliches Bild ergeben, muss der Zuschauer eine Pol- oder Farbfilterbrille tragen, die das gefilterte Bild zum richtigen Auge leitet. Als größtes Problem bei diesem – analogen – Prinzip hat sich die oft unvollständige Synchronisierung der beiden Bildanteile herausgestellt. Wenn sie die Augen nur geringfügig orts- oder zeitversetzt erreichen, zerstört das den 3D-Effekt – und belastet die Augen. Viele Zuschauer bekommen Kopfschmerzen. Die bei den neuen 3D-Filmen eingesetzte Technik basiert auf demselben Wiedergabeprinzip, nutzt aber viel präzisere Projektionsverfahren. Dabei gibt ein einzigen digitaler Projektor gleichzeitig mehrere Bildsequenzen wieder. Die Spezialbrillen bleiben den Besuchern jedoch weiterhin nicht erspart, denn sie dienen dazu, die Bildfolgen zu trennen.

Aber auch die neue Digitaltechnik hat noch Schwächen, betont Siegfried Fößel, Forscher am Erlanger Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen: „Der Lichtverlust durch das Umschalten zwischen den Augen oder das Polarisieren des Lichts in der Brille beträgt über 50 Prozent. Hier sind neue Verfahren gefragt, die die Verluste reduzieren.“ Während in den USA schon rund 1400 Kinos für die Wiedergabe der neuen 3D-Filme umgerüstet wurden, sind es in Deutschland erst etwa 30. Der Grund für die Zurückhaltung sind vor allem die hohen Kosten. „Um einen Kinosaal 3D-fähig zu machen, müssen die Betreiber 80 000 bis 100 000 Euro einkalkulieren“, sagt Fößel. Die Kosten könnten sich jedoch rasch amortisieren – durch die preisgünstigeren Festplatten, auf denen die Filme zu den Betreibern kommen. Sie lassen sich, ohne sich abzunutzen, viel häufiger verwenden als die bisherigen Filmrollen. Kinos, die bereits auf eine digitale Projektion umgestellt haben – in Deutschland etwa 200 Lichtspielhäuser – fällt die Umstellung auf 3D recht leicht: Die Filmserver können schon dreidimensionales Material abspielen und brauchen bloß noch für die stereoskopische Wiedergabe umgerüstet zu werden. ■

von Sandra Murr

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