Aids – wann gibt es endlich einen Impfstoff? - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Allgemein

Aids – wann gibt es endlich einen Impfstoff?

„Wissenschaft live“ am Weltaidstag im Deutschen Museum Bonn. Die Medizin kommt im Kampf gegen das Virus nur zäh voran, doch die Jugendlichen in Deutschland haben gelernt, mit dem Risisko umzugehen.

Ganz offen, ganz konkret und ganz dicht am Leben – so diskutierten Schüler und Wissenschaftler am 1. Dezember, dem Weltaidstag, im Deutschen Museum Bonn über den Kampf gegen ein Virus, das bisher weltweit zwölf Millionen Menschen getötet hat.

Prof. Helga Rübsamen-Waigmann, Expertin für das HI-Virus und Leiterin des Instituts für Virologie des Pharmaunternehmens Bayer, nannte zum Einstieg Zahlen, nach denen Aids auf der Welt inzwischen mehr Todesopfer fordert – 2,3 Millionen waren es 1997- als die Malaria mit rund zwei Millionen.

30 Millionen Menschen leben zur Zeit mit dem HI-Virus, 5,8 Millionen haben sich 1997 neu angesteckt. In Deutschland sind derzeit 40000 infiziert, rund 2000 kommen jedes Jahr hinzu, bei etwa 5000 Menschen ist die Aids-Krankheit voll entwickelt.

Homo- und Bisexuelle infizieren sich zwar immer noch etwa doppelt so häufig wie Heterosexuelle, von denen aber stecken sich schon seit zehn Jahren genauso viele an wie Drogenabhängige, die das Virus durch eine verunreinigte Spritze einfangen.

Anzeige

Um den tödlichen Erreger weltweit in den Griff zu bekommen, wäre ein Impfstoff die beste Waffe. Der werde aber wohl noch lange auf sich warten lassen, sagte Prof. Rübsamen-Waigmann, „wenn es ihn denn überhaupt je geben wird“.

Das Tückische am HI-Virus ist seine große Wandelbarkeit. Es verändert sich noch zehnmal schneller als der Grippe-Erreger, und gegen den gibt es auf der ganzen Welt auch immer noch keinen dauerhaft wirksamen Impfstoff. „Wenn wir noch an einem Mittel arbeiten, ist uns das Aids-Virus schon wieder ein Stück weggelaufen, sagte die Forscherin, die über große Bildschirme live aus dem Aidsforschungszentrum der Vereinten Nationen – den Labors des Georg-Speyer-Hauses in Frankfurt – in das Deutsche Museum geschaltet war.

Rübsamen-Waigmann widersprach auch Presseberichten, in denen es hieß, man könne mit Medikamenten die HIV-Infektion schon bald zu einer „kontrollierbaren chronischen Krankheit“ machen. Es sei zwar richtig, daß man mit der Kombination von Medikamenten, die die Vermehrung des Virus stoppen, den Ausbruch der Krankheit und den Tod bei immer mehr Infizierten um Jahre hinausschieben könne. „Aber 20 Jahre werden wir noch brauchen, bis diese Erfolge die Regel sind – und vermutlich auch nur für die Menschen in den Industrieländern, die sich die Mittel leisten können.“

Bis dahin gebe es keinen besseren Weg als Aufklärung und Vorsorge, stimmte die Forscherin den Vertretern der Aidshilfe-Organisationen zu, die den Besuchern der Veranstaltung im Deutschen Museum Bonn Rede und Antwort standen – unter ihnen die Schüler der Klassen 9 bis 13 des Abtei-Gymnasiums Brauweiler, die zu diesem Abend eingeladen worden waren.

Bei einem Infektionsquiz der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bewiesen Kerstin Walther und Tom Toermer stellvertretend für ihre Mitschüler ihre Kenntnisse über Übertragungsrisiken und die Möglichkeiten, sich zu schützen. Als ungefährlich stuften sie korrekt das Trinken aus einem gemeinsamen Glas, das Küssen, das fachgerechte Tätowieren, die Pflege von Aidskranken, die Bluttransfusion und Insektenstiche ein. Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit neuen Partnern – ob daheim oder im Urlaub – und der gemeinsame Gebrauch von unzulänglich gereinigten Injektionsnadeln sei dagegen immer zu vermeiden.

„Kommt drauf an“, heißt es zum Risiko einer Übertragung des Virus von der Mutter auf das Ungeborene. Weltweit sind mehr als eine halbe Million Kinder HIV-infiziert. In Deutschland tendiere das Risiko, daß die Schwangere ihr Kind ansteckt, aber inzwischen gegen Null, berichtete Dr. Stefan Edgeton, Geschäftsführer der Deutschen Aidshilfe in Berlin. Zum einen werden infizierte Mütter heute in der Regel mit Medikamenten behandelt, die die Vermehrung des Virus bremsen, zum anderen werden ihre Kinder durch Kaiserschnitt entbunden, was die Gefahr des Blutaustauschs bei der Geburt deutlich vermindert.

„Kommt drauf an“, heißt es auch beim Oralverkehr, erläuterte Dr. Elisabeth Pott, Präsidentin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Dabei wird das Übertragungsrisiko natürlich größer beim Abspritzen in den Mund.“

Was die Schülerinnen und Schüler gelassen nickend zur Kenntnis nahmen, veranlaßte Moderator Ranga Yogeshwar, sich über die unverblümte Ausdrucksweise zu wundern.

„Eine unverkrampfte Sprache“ erklärte ihm Elisabeth Pott, „ist bei diesem Thema enorm wichtig, um bei den Jugendlichen anzukommen“. „Völlig normal“, bestätigten die denn auch.

Mehr als die Biochemie des Erregers interessierte die jüngeren Zuhörer denn auch die Frage, wo man sich im Zweifelsfall testen lassen könne und was das koste.

„Beim Hausarzt ist es für euch genauso umsonst wie beim Gesundheitsamt“, antwortete Stefan Edgeton. „Beim Gesundheitsamt wird nicht einmal euer Name notiert. Der Hausarzt gibt den Namen nur für die Abrechnung an die Krankenkasse weiter. Das Ergebnis bekommt ihr meistens nach zehn Tagen. Allerdings kann man eine eventuelle Infektion frühestens vier bis sechs Wochen nach dem Risikoereignis feststellen, weil der Körper vorher nicht genügend Antikörper produziert hat, die man bei dem Test mißt.“

Ob Neugier oder Überzeugung: Die Mitarbeiter des Deutschen Museums mußten am Schluß der Veranstaltung mehrfach die Körbe mit Kondomen nachfüllen, die ein Sponsor zur Verfügung gestellt hatte.

Auf die Frage: „Ist das dein Jahresrestbedarf“, antwortete ein Schüler allerdings: „Quatsch, da kann man prima Wasserbomben draus machen.“

Jürgen Nakott

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Es|sig|es|ter  〈m. 1; unz.; Chem.〉 angenehm riechende Flüssigkeit aus Essigsäure u. Äthanol unter Zusatz von Schwefelsäure; Sy Essigsäureethylester ... mehr

Opal  〈m. 1〉 1 〈Min.〉 amorpher Quarz, wasserhaltiges Kieselsäuregel, ein Halbedelstein 2 〈Textilw.〉 steif appretierter, milchähnlich durchscheinender, feinfädiger Baumwollbatist ... mehr

Fleisch|flie|ge  〈f. 19; Zool.〉 Angehörige einer Familie bis 14 mm großer, grauschwarz gestreifter Fliegen, deren Larven sich in fauligem Fleisch, eiternden Wunden u. Exkrementen entwickeln: Sarcophagida

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige