Am Puls der Welt: „Expedition ans Ende der Welt" von Mark Hertsgaard - wissenschaft.de
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Am Puls der Welt: „Expedition ans Ende der Welt“ von Mark Hertsgaard

Der amerikanische Journalist Mark Hertsgaard hat genug von Vorurteilen über femde Länder. Er ist sechs Jahre lang zu den ökologischen Brennpunkten der Welt gereist und hat dort mit den Menschen gesprochen.

Afrikaner lassen mit ihren unzähligen Kindern die Weltbevölkerung explodieren, und Chinesen jagen dem wirtschaftlichen Erfolg hinterher, ohne Rücksicht auf die Umwelt. Amerikaner sind autobesessen, in Rußland zählt ein Menschenleben wenig, Bangkok erstickt im Verkehrsstau, und über Mexico-City lastet unerträglicher Smog. Vorurteile über Vorurteile. Doch was steckt hinter den pauschalen Aussagen? Können sich zum Beispiel bettelarme Menschen überhaupt um verpestete Luft oder verdrecktes Wasser kümmern? Und warum gibt es in der Dritten Welt so viele Kinder? Der amerikanische Journalist Mark Hertsgaard hat mit den Menschen selbst gesprochen. Sechs Jahren lang reiste er rund um die Welt, vor allem zu ökologischen Brennpunkten. Er machte unter anderem Station in den gelichteten Urwäldern Brasiliens, in einem sudanesischen Flüchtlingslager, im verdreckten Industrierevier Chinas und in einer strahlenverseuchten Landschaft Rußlands. Meist fand er einheimische Reise- führer aus der Ökoszene, die ihm bei der Recherche halfen. Sein Buch liest sich in großen Teilen wie eine spannende Reisereportage. Der Leser erfährt viele Details, die ein plastisches Bild der Länder zeichnen. Zum Beispiel durch die Geschichte vom chinesischen Studenten, der überall und immer einschlafen kann, weil er Enge und Lärm gewohnt ist. Oder vom jungen katholischen Geistlichen im brasilianischen Dschungel, der viele Kinder beerdigen muß, aber die Empfängnisverhütung ablehnt, um dem Papst zu gehorchen. Oder von den russischen Frauen am radioaktiv verseuchten Fluß, die endlich umgesiedelt werden wollen, weil ihre Kinder schwach und krank geworden sind. Hertsgaard hat sein Buch mit einer Fülle von Informationen gespickt. Er versucht, die Daten und Fakten über Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung und Klimaveränderung mit seinen Erlebnissen zu verknüpfen – und das gelingt ihm meist recht gut. Ganz ohne Vorurteile ist freilich auch der Wahrheitssucher Hertsgaard nicht, wenn er etwa das Auto über viele Seiten rundherum verteufelt. Mit diesem Ballast im Gepäck hatte er sich auf die Reise gemacht. Doch ohne sein Engagement wäre er wohl daheim geblieben – und das wäre schade um das Buch. Klaus Jacob ist freier Journalist in Stuttgart. Er schreibt vor allem über Themen aus Umwelt, Geowissen- schaften und Technik.

Mark Hertsgaard Expedition ans Ende der Welt S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1999 520 S., DM 49,80

Klaus Jacob / Mark Hertsgaard

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