„aufregende Möglichkeiten in der Sahara" - wissenschaft.de
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„aufregende Möglichkeiten in der Sahara“

Prof. EICKE WEBER (Jahrgang 1950) leitet seit Juli 2006 das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg.

bild der wissenschaft: Bei der Stromerzeugung mittels solarthermischer Kraftwerke geht die Post ab. Wann machen Sie Ihre Photovoltaik-Forschung dicht, Herr Prof. Weber?

Eicke Weber: Keine Sorge, die Photovoltaik wird auch in 10 bis 20 Jahren nicht nur präsent sein, sondern sogar eine Großindustrie wie heute die Automobilindustrie tragen. Dann werden wir Sonnenstrom für 5 Cent pro Kilowattstunde und weniger herstellen können – und uns fragen, warum wir noch im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends so viele Hoffnungen auf weiße Elefanten wie die energieaufwendige Kohlenstoff-Abscheidung aus konventionellen Kraftwerken gesetzt haben.

bdw: Kann die Photovoltaik auch mit großen solarthermischen Kraftwerken in der Sahara konkurrieren?

Eicke Weber: Solarthermische Kraftwerke sind eine sehr interessante Energiequelle in sonnenreichen Ländern mit genügend Kühlwasser, da sie ja – ebenso übrigens wie Kernkraftwerke – als thermische Kraftwerke einen Temperaturunterschied brauchen. In der Sahara dagegen sehe ich aufregende Möglichkeiten für die Konzentration von Photovoltaik höchster Effizienz.

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bdw: Strom aus Solarthermie lässt sich deutlich kostengünstiger herstellen als via Photovoltaik. Warum wird die großzügige Photovoltaikförderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht gekürzt?

Eicke Weber: Sie haben völlig recht: Im Augenblick ist Photovoltaik zur Stromherstellung in sonnenreichen Ländern deutlich teurer als die Technologie der solarthermischen Kraftwerke. Für Deutschland kommt die Solarthermie aus Mangel an Sonne allerdings nur zur Erzeugung von Warmwasser in Frage. Einen großen Unterschied sehe ich noch beim Kostensenkungspotenzial beider Technologien durch eine künftige Fertigung im großtechnischen Maßstab: Solarthermische Kraftwerke werden bereits heute nur als Großkraftwerke produziert, und ob Parabolspiegel, Glasröhren und Dampfturbinen wirklich noch wesentlich im Preis sinken können, bleibt abzuwarten. Die Photovoltaik dagegen ist eine Halbleitertechnologie, und als solche hat sie noch ungeheure Kostensenkungspotenziale in der Massenproduktion. Der Weg über attraktive Einspeisepreise im EEG wird gerade weltweit als das einzige wirklich funktionierende Programm zur Einführung dieser überaus wichtigen Zukunftstechnologie erkannt und kopiert. Sicher werden wir bald auch entsprechende Nachrichten aus den USA hören.

bdw: Auch in punkto Klimafreundlichkeit erhält die Photovoltaik im Vergleich zur Solarthermie schlechte Noten. Das betrifft die CO2-Emissionen genau wie den hohen Energieverbrauch bei der Herstellung. Unter „sauber“ versteht man etwas anderes.

Eicke Weber: Auch da kann ich Sie beruhigen. Eine Photovoltaik-Anlage heutiger Herstellung verdient sich die zur Erzeugung erforderliche Energie in zwei bis drei Jahren zurück und liefert dann für 20 bis 50 Jahre CO2-freien Strom. Wir haben leider erst seit circa 30 Jahren Photovoltaik-Module aus Silizium in Betrieb, doch sie arbeiten immer noch ganz ausgezeichnet. Weiterhin kann die Energie, die zur Herstellung verwendet wird, sehr leicht aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Schließlich wird sich besonders durch die Einführung von „dirty Si“, also nur wenig gereinigtem Silizium, der Energieaufwand bei der Herstellung deutlich senken lassen.

bdw: Sehen Sie Schwachstellen im Konzept der großtechnischen solarthermischen Stromerzeugung?

Eicke Weber: Der erste Zweifel betrifft das erforderliche Kühlwasser. Es könnte in der Zukunft, die sicher auch durch Wassermangel gekennzeichnet sein wird, noch knapper werden als heute. Das zweite Argument ist die Frage, wo Massenproduktion dieser Kraftwerke noch Kostensenkungen bringen kann. Solarthermie kann heute Strom für rund zwölf Cent pro Kilowattstunde herstellen – etwa halb so teuer wie klassische Photovoltaik in derselben sonnenreichen Gegend –, aber ich sehe photovoltaisch gewonnenen Strom perspektivisch bei fünf Cent pro Kilowattstunde.

bdw: Egal, auf welche Weise man Strom aus Solarenergie erzeugt, noch ist das alles unwirtschaftlich. Kommen wir in den nächsten Jahren von den horrend hohen solaren Stromerzeugungskosten wirklich herunter?

Eicke Weber: Ja, bereits 2013 oder 2014 wird Strom aus Photovoltaik selbst im sonnenarmen Deutschland zum Preis der dann herrschenden Haushalts-Stromkosten hergestellt werden. Besitzer neuer Anlagen werden daher zunächst einmal ihren Eigenbedarf aus ihrer Photovoltaik-Anlage decken und nur den Rest aus dem EEG finanzieren lassen. Daher wird dann auch die zusätzliche Belastung der Volkswirtschaft durch Neuanlagen rasch sinken.

bdw: Welchen Part trauen Sie dem Sonnenstrom in Mitteleuropa und weltweit in 15 bis 20 Jahren zu?

Eicke Weber: In Bayern werden bereits heute 2 Prozent des Stromverbrauchs aus der Photovoltaik gewonnen, bis 2020 erwarten wir für ganz Deutschland über 15 Prozent des Stromverbrauchs aus dieser sicheren heimischen Quelle. Je mehr, je besser, da das unsere Unabhängigkeit von unsicheren ausländischen Versorgern stärkt – ebenso unsere heimische Produktion von Photovoltaik-Anlagen und besonders Maschinen zur Herstellung von Solarzellen, die wir heute als Weltmarktführer überall hin exportieren.

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