Experten plädieren für eine neue Betrachtungsweise Aufruf zur ganzheitlichen Wertschätzung der Natur - wissenschaft.de
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Experten plädieren für eine neue Betrachtungsweise

Aufruf zur ganzheitlichen Wertschätzung der Natur

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Kleinräumige, selbstversorgende Landwirtschaft auf einer Flussinsel des Mekong im Süden von Laos. (Foto: Roland Krämer, UFZ & iDiv)
Die Natur ist mehr als eine Quelle von Dienstleistungen und Rohstoffen! 30 internationale Experten plädieren für eine ganzheitlichere Betrachtungsweise: Alle kostbaren Aspekte der Natur sollten in den Fokus rücken, um sie besser in Politik und Entscheidungen einzubinden.

Die Natur hat neben ihren vielen Leistungen auch wichtige soziale, kulturelle, geistige und religiöse Bedeutungen, denen mehr Aufmerksamkeit gebührt – so lautete die zentrale Aussage des Artikels in der Wissenschaftszeitschrift Science. Präsentiert wird er von 30 Fachleuten aus der ganzen Welt, die mit dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) in Verbindung stehen. Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass nur geschärfte Aufmerksamkeit für die ganze Bandbreite des Naturnutzens dazu führen kann, Schutz und Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur zu gewährleisten.

Vor allem Nahrung, sauberes Wasser und reine Luft soll sie uns liefern – die Betrachtung der Natur im letzten Jahrzehnt war stark vom Blickwinkel der Naturwissenschaften und der Ökonomie geprägt, so die Autoren. Diese Sichtweise hat ihnen zufolge durchaus zu einem positiven Effekt geführt: Sie hat den Nachhaltigkeitsgedanken und die Umweltpolitik vorangebracht. Doch es sei nun an der Zeit, den Blick über diese sogenannten Ökosystemdienstleistungen hinaus zu erweitern. Die ganzheitliche Wertschätzung der Natur für den Menschen ist dabei ebenso für reiche wie für arme Länder wichtig, betonen die Wissenschaftler.

Beispiel Nahrung

Die umfassende Bedeutung der Natur wird den Autoren zufolge am Beispiel der Nahrung besonders deutlich. Dabei geht es in der Politik und bei Entscheidungen bisher vor allem um Dinge wie Nährwert, biologische Prozesse und ökonomische Fragen. Tatsächlich reicht aber die Bedeutung von Nahrung viel weiter: „Sie steht im Mittelpunkt kultureller Identitäten, von Kunst und grundlegendem menschlichem Genuss. Es sind diese nicht materiellen Leistungen der Natur, die der neue Ansatz repräsentieren und in Entscheidungen über unseren Umgang mit der Natur einfließen lassen soll“, sagt Unai Pascual vom Basque Centre for Climate Change in Bilbao.

Viele Menschen sind der Meinung, die Natur biete ihnen Vorteile in Form von Geldströmen, Getreide oder Holz aus Ökosystemen – der neue Ansatz lässt dies zu, bietet aber auch Raum für diejenigen, die andere Vorstellungen über ihre Beziehungen zur Natur haben. Eine der vielen konkreten Anwendungen des neuen Ansatzes ist dabei seine Einbindung in groß angelegte Expertengutachten und deren Durchführung. Die Erfassung der ganzheitlichen Leistungen der Natur für die Menschen ist ein wissenschaftlicher Fortschritt, der über den Ansatz der Ökosystemleistungen hinausgeht und die Wirksamkeit und Rechtmäßigkeit von Politik und Entscheidungen über die Natur steigern soll, so die Autoren.

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Beachtung der Sichtweisen lokaler Gemeinschaften

Ihnen zufolge ist ein wichtiger Aspekt des neunen Ansatzes, den Wissensbeständen von lokalen Gemeinschaften und indigenen Völkern mehr Beachtung zu schenken. Dies wird offenbar nun bereits konkret umgesetzt: Indigenes und lokales Wissen ist in vier regionale Gutachten des IPBES über Biodiversität und Ökosystemleistungen eingeflossen, die voraussichtlich im März dieses Jahres veröffentlicht werden. Außerdem werden die umfassenden Leistungen der Natur für die Menschen bereits ein zentraler Bestandteil des globalen Gutachtens des IPBES werden, das 2019 erscheinen soll.

„Die Leistungen der Natur für die Menschen sind eine wichtige Weiterentwicklung und Ergänzung zum Konzept der Ökosystemleistungen“, resümiert auch Anne Larigauderie, Executive Secretary des IPBES und Co-Autorin des Artikels. „Sie können dazu beitragen, dass wir die Vielfalt und die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Natur besser gestalten und verstehen. Dieser umfassendere Ansatz kann die Relevanz und den Wert von Sachverständigengutachten über die Natur steigern.“

Quellen: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Halle-Jena-Leipzig
, Leuphana Universität Lüneburg

© natur.de – Martin Vieweg
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