bdw-Techniktest: Siemens Pocket Reader – ein Stift, der lesen kann - wissenschaft.de
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bdw-Techniktest: Siemens Pocket Reader – ein Stift, der lesen kann

Lesen oder lesen lassen – mit dem Siemens Pocket Reader hat man künftig die Qual der Wahl. Der 110 Gramm leichte Stift liegt in der Hand wie die beliebten Neon-Textmarker. Er macht das Papier aber nicht bunt, sondern liest mit einem Scan-Kopf zeilenweise den Text ein und überträgt die Buchstaben auf den PC. Zielgruppe: Studenten, die in der Bibliothek Notizen aus Büchern sammeln, Journalisten, die Pressetexte auswerten, oder Dokumentare, die Zeitungen archivieren.

Soweit die Theorie. Wer schon einmal mit Scannern und Texterkennungsprogrammen gearbeitet hat, wird nicht so schnell in Euphorie verfallen. Keine OCR-Software (Optical Character Recognition) erreicht Trefferquoten von 100 Prozent. Der Pocket Reader macht da keine Ausnahme: Bei normaler Buch- oder Zeitungsschrift kratzt der Stift an der 100-Prozent-Marke, bei kleinen Schrifttypen oder schlechten Vorlagen wie Fotokopien sinkt die Erkennungsrate – mit herkömmlichen Flachbettscannern hält der Winzling aber locker mit. Verblüffend ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Der Text erscheint sofort nach dem Einlesen im Display. Das heißt: Keine sekundenlange Warterei, wie beim Quicktionary-Übersetzungsstift von Hexaglott (Techniktest in bild der wissenschaft 2/1998).

Dafür hätten sich die Siemens-Entwickler am Scan-Kopf des Hexaglott-Stifts ein Beispiel nehmen können. Seine durchsichtige Platte mit ihren Markierungslinien ist eine gute Orientierungshilfe beim Scannen. Siemens hat inzwischen reagiert und liefert beim Pocket Reader ein Lineal mit, das den Stift auf Kurs hält. Die abgeschrägte Unterkante des Pocket Reader verleitet außerdem dazu, den Stift relativ flach aufs Papier zu setzen – fast senkrecht wäre korrekt. Auch bei der PC-Software gibt es Wünsche: Die Übertragungsgeschwindigkeit könnte höher sein, und die Software sollte sich in gängige Textverarbeitungen integrieren lassen. Man müßte dann nicht den Umweg über ein separates Fenster nehmen, um die Texte einzulesen.

Fazit: Der Pocket Reader ist klein, leicht und sehr einfach zu bedienen. Er ist der ideale Begleiter für Menschen, die viel lesen und sich viel merken müssen. 350 Mark sind für Käufer, die Innovationen honorieren, angemessen. Davon gibt es offenbar genug: Nach Informationen von Siemens fand der Pocket Reader in den ersten beiden Monaten 15000 Käufer.

Der Hersteller Siemens Österreich – erhältlich bei Media-Markt, Conrad, Buchabteilungen von Hertie und Karstadt. Weitere Bezugsquellen, Online-Bestellmöglichkeit und Zusatzinfos unter: http://www.pocketreader.com Infotelefon: 0043-1-7187200196

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Die Voraussetzungen Der Pocket Reader arbeitet mit jedem Windows-95-PC mit serieller Schnittstelle zusammen. Über das Internet bietet Siemens eine Software an, die den Lesestift mit Taschencomputern der Firma Psion verbindet. Im Frühjahr soll eine Version für den MacIntosh folgen. Eine Variante des Pocket Reader mit Infrarot-Schnittstelle für Notebooks ist in Vorbereitung.

Die Technik Der Pocket Reader liest das Schriftmuster über einen Scanner mit einer Auflösung von 400 Punkten pro Zoll (dpi) ein. Ein digitaler Signalprozessor mit einer Rechenleistung von 28 Mips (Millionen Befehlen pro Sekunde) – ein Pentium-II mit 233 Megahertz schafft das 20fache – erkennt die Schriftzeichen mit Hilfe eines Neuronalen Netzes. Ein Wörterbuch überprüft die Zeichenfolgen auf Plausibilität. Das eingebaute Flash-Memory hat eine Speicherkapazität von 512 Kilobyte. Darin ist Platz für etwa 20 Seiten Text reserviert, die auch bei Batterieausfall erhalten bleiben.

Die Konkurrenz Der schwedische Hersteller C-Technologies bietet seit kurzem den C-Pen für rund 1150 Mark an. Er liest 100 Zeichen pro Sekunde über eine kleine Digitalkamera ein und überträgt den Text per Infrarot-Schnittstelle zum PC. Das programmierbare Betriebssystem soll künftig um Adreßbuch- oder Kalenderfunktionen erweitert werden.

Bernd Müller

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