Beschleunigte Erkenntnis - wissenschaft.de
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Beschleunigte Erkenntnis

Methodenvorsprung führt zu Wissensvorsprung – nach diesem Prinzip fördert die Baden- Württemberg Stiftung die Lebenswissenschaften.

Stammzellen, Klone, die Entschlüsselung des menschlichen Genoms: Keine andere Wissenschaft macht mit ihren rasanten Fortschritten so viele Schlagzeilen wie die Biologie. Betrachtet man die Ahnengalerie der entscheidenden Entdeckungen von Gregor Mendels Erbsen-Experimenten bis heute, wird der zunächst gemächliche, später jedoch geradezu explosive Wissenszuwachs spürbar. Ein Ende der Beschleunigung ist noch nicht abzusehen.

Motor der Beschleunigung war dabei von Anfang an ein Faktor, der außerhalb der Biowissenschaften lag: der technische Fortschritt. Wie der Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger zeigen konnte, trugen dazu Wissenschaftler aus anderen Gebieten maßgeblich bei. So konstruierte der schwedische Chemiker Theodor Svedberg 1924 die erste Ultrazentrifuge, mit deren Hilfe erste Vorstellungen über Größe und Bau von Proteinen gewonnen werden konnten. Die für die Entschlüsselung der DNA so wichtige Röntgenstrukturanalyse geht dagegen auf die Vorarbeit von Textilforschern zurück. Auch die medizinisch-physikalische Zusammenarbeit der Brüder Helmut und Ernst Ruska bei der Entwicklung des Elektronenmikroskops (siehe „Der Blick aufs Ganze“ , Seite 36) ist ein schönes Beispiel für fruchtbare Interdisziplinarität.

„Dieses Prinzip pflegen wir ganz bewussst“, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, „etwa bei der Forschung zu neuen Biomaterialien, in der Photonik und Nanotechnik.“ Links und rechts des Weges, den die Forschung nimmt, fallen dabei wiederum technische Erkenntnisse für ihre Weiterentwicklung ab: Methoden wie die Polymerase-Ketten-Reaktion (englisch PCR abgekürzt) beispielsweise. Sie erlaubt es, DNA-Stücke schnell und effektiv zu vervielfältigen, und ist heute überall im Einsatz, wo es um die Identifikation von Genen geht: von Vaterschaftstests über den genetischen Fingerabdruck bis zur Grippe-Diagnostik. Ohne PCR wäre molekularbiologische Grundlagenforschung kaum noch denkbar und das menschliche Genom niemals entschlüsselt worden. Die Baden-Württemberg Stiftung sucht ganz gezielt nach solchen Schlüssel-Innovationen innerhalb der biowissenschaftlichen Forschung und fördert ihre Anwendung. „ Diese Methoden sind für uns der Hebel, um die Forschung voranzubringen“, sagt Dahl. „Wer methodisch ganz vorn mit dabei ist, erreicht einen entscheidenden Vorsprung beim Wissensgewinn.“

Ganz in diesem Sinne schrieb die Stiftung bereits im Jahr 2003 ein Programm zu den adulten Stammzellen aus, nachdem die Wissenschaft die methodischen Grundlagen gelegt hatte (grüne Jahreszahlen in der Zeitleiste). Im gleichen Jahr setzte sie mit dem Förderprogramm RNS/RNAi auf eine Neuentdeckung in der Genetik (gelbe Zahlen), die sogenannte RNA-Interferenz. Ab 2011 neu im Programm: die „Glykomik“, ein hochaktuelles Forschungsthema (blaue Zahlen). „Durch das Anheften von Zuckergruppen steuern Zellen die Wirkung von Proteinen“, erläutert Dahl. „Dieses Prinzip wird in Zukunft in Medizin und Pharmazie eine entscheidende Rolle spielen.“ Der Fortschritt schmeckt süß – in diesem Fall ganz besonders. ■

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von Judith Rauch

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