Interview und Rezension "Besinnt euch!" - wissenschaft.de
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Interview und Rezension

„Besinnt euch!“

Fero und Wachtler
Fero und Wachtler
Seit Jahren durchstreifen Michael Wachtler und Ferruccio Valentini, genannt Féro, die Dolomiten. Der Waldmensch Féro gab dem Buchautor tiefe Einblicke in sein Umweltwissen und seinen beharrlichen Kampf für die letzten Flecken unberührter Wildnis.

Michael Wachtler: Seine Überzeugung, dass es neben unserer Welt der Arbeit, der Hetze und des Vergrößerns noch eine andere gibt, die Vieles zu bieten hat: Sich in der Natur auszukennen, sich autark von Wildgemüse ernähren zu können. Ich fand es toll zu sehen, wie viele Wildpflanzen auf Féros Speiseplan stehen. Zudem hat mich die Prägnanz seiner Gedanken beeindruckt, etwa wenn er sagt: „Natur ist alles.“ Damit ist auch alles gesagt. Und: Féro hat ein sehr erhabenes Auftreten. Er ist ein wunderschöner, alter Mann, der aufrichtig und bestimmt seine Meinung kundtut.

Seit 2009 sind die Dolomiten Weltnaturerbe. Hat dieser Status der Region gut getan?

Ja, schon. Das Problem ist nur, dass bei Unternehmern die Hoffnung keimte, mehr Touristen in die Region locken zu können. Sie wollen die Gegend mit Hotels, Straßen und Skiliften erschließen. Das verfehlt aber den Sinn der Natur und die Idee eines Welt­natur­erbes. Jeder ist bei uns hochwillkommen. Aber bitte geht raus, lernt von der Natur, besinnt euch, entschleunigt euer Leben. Freilich brauchen wir als Touristengebiet Übernachtungsmöglichkeiten, aber nicht in Masse, sondern mit Klasse.

Wie sehr hat Féro auf Ihre Meinung eingewirkt?

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Es ist so: Ich war selbst mein Leben lang in den Bergen unterwegs als Fossilien-, Kristall- und Goldsucher. Doch Féro hat mir die Welt der Pflanzen eröffnet. Wie er verstehe ich mich als Fürsprecher der Natur. In Féro habe ich einen Weggefährten gefunden, der genauso beinhart seine Überzeugungen vertritt und bereit ist, dafür auch Gefängnisstrafen auf sich zu nehmen.

Féro und Sie müssen sich häufiger vor Gericht verantworten. Warum?

Etwa weil wir Fossilien sammeln und die Stücke in meinem Museum ausstellen. Die Behörden wollen das Museum schließen. Uns wird vorgeworfen, wir zerstörten die Natur. Aber gleichzeitig verlegen Bauunternehmen Straßen und planieren Skipisten, um das Weltnaturerbe zu erschließen. Das ergibt keinen Sinn. Uns geht es darum, die Natur zu schützen und sich zu besinnen, das Leben zu entschleunigen und voneinander zu lernen. Warum machen wir Überstunden, reiben uns selbst noch in unserer Freizeit auf, statt die Natur zu beobachten und ihr zuzuhören? Jeder Stein, jedes Tier erzählt Geschichten.

Wie das?

Wem die Natur keine Geschichten erzählt, der muss an sich arbeiten. Man kann erkennen, ob ein Stein vulkanischen Ursprungs ist oder vor Jahrmillionen von Wellen geformt wurde. Pflückt einfach mal stundenlang Waldbeeren. Es gibt nichts Schöneres. Man kommt zur Ruhe und hat auch noch toll gegessen.

 

WachtlerMichael Wachtler , Jahrgang 1959, ist wie Féro in der Natur der Südtiroler Berge zu Hause. Er hat schon diverse gefährliche Bergtouren hinter sich gebracht und dabei zahlreiche prähistorische Pflanzen- und Tierarten entdeckt. Wachtler tritt entschieden für den Schutz der Dolomiten ein und hat mehrere Bücher über die Alpenregion verfasst.

 

 

Cover

 

Féro, Michael Wachtler:

„Gebt der Wildnis das Wilde zurück!“

Ein Mann der Berge kämpft für die Natur.

Kosmos. 248 Seiten, 19,99 €

 

 

 

 

 

 

Fotos: Gerhard Eisenschlick (Titelbild), Michael Wachtler (Autorenfoto), Kosmos Verlag (Cover)

© natur.de – Karin Schlott
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