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bild der wissenschaft: Herr Pfeiffer,

bild der wissenschaft: Herr Pfeiffer, Sie sind Theoretiker und Praktiker in Sachen Kriminalitätsforschung. Wie sehen Sie die These etlicher Hirnphysiologen, der Mensch habe keine Willensfreiheit, denn man habe das biologische Substrat des Bösen im Gehirn gefunden?

Pfeiffer: In meinen Augen verrennen sich die Neurobiologen da. Das sind Gedankenspielereien.

bdw: Der Neurophysiologe Prof. Gerhard Roth zum Beispiel verficht diese These vehement.

Pfeiffer: Ich schätze Herrn Roth und arbeite mit ihm in einem Projekt zusammen, in dem wir untersuchen, wie sich gewaltorientierte Computerspiele auswirken auf die Lernkompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern – vor allem von Jungen, die ja besonders betroffen sind. Da leistet die Neurobiologie wirklich Hervorragendes.

bdw: Das ist die Frage nach dem Einfluss von Genen und/oder Umwelt auf menschliches Verhalten, vor allem wenn es um abweichendes Verhalten geht. Wie sehen Sie das?

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Pfeiffer: Ich habe kürzlich auf einem internationalen Symposium über die Auswirkung von innerfamiliärer Gewalt auf die kriminelle Karriere von Kindern berichtet. Mein Co-Referent, ein Neurobiologe von der Medical School in Harvard, lieferte die Erklärung dazu: Das Schlagen von kleinen Kindern verhindert, dass die beiden Hirnhälften lernen, richtig miteinander zu kooperieren.

bdw: Das Gehirn reagiert auf physische Einwirkung?

Pfeiffer: Die Verstörungen, die Schläge bei einem Kind auslösen, haben offenkundig unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns.

bdw: Und diese Fehlentwicklung kann man im Gehirnscan sichtbar machen?

Pfeiffer: Richtig, und wir haben entdeckt, dass das „Böse“, das da im Kind entsteht, nicht angeboren ist, sondern durch anderes Böses initiiert wird. Das ist faszinierend und zeigt, dass wir in den Verhaltenswissenschaften allen Anlass haben, mit den Neurobiologen zu kooperieren. Nur: Die Führungsrolle auf diesem Gebiet sollte sich die Neurobiologie nicht anmaßen. Die kommt ihr einfach nicht zu.

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