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Bildung@Internet.de

Das Netz wird mehr und mehr zur beruflichen und privaten Weiterbildung genutzt. Obwohl auch der Markt für E-Learning unter der momentanen Krise der IT-Branche leidet, wird dem Lernen via Web von Experten eine glänzende Zukunft vorausgesagt.

Wollten Sie nicht schon immer eine neue Fremdsprache für die Arbeit oder den Urlaub lernen? Brauchen Ihre Kenntnisse über Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation eine Auffrischung? Wenn Sie über einen Rechner mit Internet-Anschluss verfügen, bietet Ihnen das Netz etliche Möglichkeiten, sich online weiterzubilden. E-Learning heißt der Schlüssel zum Stillen des Bildungshungers – bequem vom heimischen PC aus. Zahlreiche Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden. Dass diese noch nicht so recht auf den Zug aufspringen wollen, bekommen die Anbieter derzeit schmerzhaft zu spüren: Viele von ihnen mussten schon die Segel streichen. Kein Wunder, denn oft wurde im vorhinein viel Geld in die aufwändigen Lernmodule investiert. Trotzdem sehen Experten im angebrochenen Informations- und Bildungszeitalter unbeirrt das E-Learning nach E-Mail und E-Commerce als dritten großen Trend im Netz, da es den Nutzern große Vorteile verspricht. In interaktiven Lernmodulen wird das Wissen vermittelt. Nach Anmeldung und Bezahlung erhält der Teilnehmer eines Online-Kurses die Zugangsdaten und kann sich in seine gebuchten Module einloggen. Je nach Angebot gibt es einen Lehrer, an den man Aufgaben zur Lösung schicken oder dem man per E-Mail Fragen stellen kann. Bei der Qualität der angebotenen Weiterbildungskurse gibt es laut einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest aber erhebliche Unterschiede. Von 14 getesteten Weiterbildungsprogrammen schnitten nur 2 mit dem Urteil „gut“ ab, immerhin 7 wurden mit einem „befriedigend“ bewertet („test“ 11/2001). Es bleibt also noch einiges zu tun. Der Nutzung des Internets in Schulen und Universitäten gaben Förderprogramme des Bundes und der Länder – wie das Programm „ Neue Medien in der Bildung“ – in den letzten Monaten einen gewaltigen Schub. Anfang Oktober letzten Jahres hat die Virtuelle Fachhochschule Lübeck mit einem ersten Studiengang den Lehrbetrieb begonnen. In sechs Semestern werden die Studenten hier zu Medieninformatikern ausgebildet. Jeder Studierende erhält einen eigenen Zugang und hat so Zugriff auf die virtuellen Vorlesungen, die auf einem zentralen Server abgelegt sind. Die Vorlesungen sind weit mehr als nur ins Netz gestellte Skripte: Interaktive Elemente, Aufgaben und Animationen sollen das Studium abwechslungsreich und lebendig gestalten. Großen Wert legen die Vorlesungsplaner darauf, dass die Studenten aktiv am Bildschirm mitarbeiten. „Virtuelle Studiengänge werden die Ausnahme bleiben. Der finanzielle Aufwand für die einzelnen Module und deren Pflege ist einfach zu hoch“, meint Dr. Elke Siegl. Die Geschäftsführerin des Projekts „Virtuelle Fachhochschule“ betont: „Die Virtuelle Fachhochschule Lübeck verdankt ihre Existenz ausschließlich öffentlichen Fördermitteln.“ In den USA mussten bereits die ersten virtuellen Hochschulen aus finanziellen Gründen schließen. Andererseits wird es sich in Zukunft keine Hochschule leisten können, ganz ohne Online-Angebote auszukommen. Möglichkeiten des Internets, wie E-Mails, Chats und Videokonferenzen, werden an vielen Hochschulen seit Jahren genutzt. So stellt die Fernuniversität Hagen den Studierenden ein buntes Allerlei von Online-Skripten und Übungen bis hin zu Multimedia-Software zur Verfügung. Beim Projekt „VIROR“ der Virtuellen Hochschule Baden-Württemberg werden Kompetenzen mehrerer Hochschulen gebündelt. Studenten sollen Vorlesungen von Professoren verschiedener Universitäten live oder zeitlich versetzt über eine 10 Megabit-Standleitung im Netz verfolgen können. Medizinstudenten können so Diagnosen unter Verwendung echter klinischer Daten online üben, Maschinenbauer können Roboter über das Netz fernsteuern – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Viele der bundesweiten Projekte sind gerade erst angelaufen, Ergebnisse liegen noch nicht vor. Anders an der Virtuellen Hochschule Bayern, wo Studierende schon seit dem Sommer 2000 aus knapp 50 Veranstaltungen wählen können: „Die Resonanz auf unsere studienergänzenden Angebote über das Internet ist sehr positiv“, sagt Projektmanager Georg Seppmann. Netz-Vorlesungen werden die Bildungslandschaft zunehmend bereichern, sollen klassische Vorlesungen aber nie ganz ersetzen. Doch der Lehrer soll mehr und mehr zum „Coach“ für Schüler oder Studenten werden und Anleitungen zum selbstständigen Umgang mit den neuen Medien geben. Für die berufliche Weiterbildung bieten Industrie- und Handelskammern Kurse für das Web-basierte Training für verschiedene Ausbildungsberufe an. Neu ist auch ein AZUBI-Netzwerk, das eine gemeinsame Lernplattform im Internet für Auszubildende in IT- und Büroberufen werden soll. Diesen Service, der neben dem Lehrstoff auch Foren zum Austausch über das Internet bietet, können die Lehrlinge freiwillig nutzen. Wenn E-Learning-Angebote konsequent genutzt würden, ließen sich in Deutschland bis zu 30 Prozent der geschätzten 60 Milliarden Mark sparen, die alle Unternehmen zusammen pro Jahr für Aus- und Weiterbildung ausgeben. Der Zeitaufwand lässt sich um 20 Prozent reduzieren, Reise- und Spesenkosten entfallen. Die hohen Investitionen sollten sich also schon nach wenigen Jahren rechnen. Bis zum Jahr 2005 wird der Markt für E-Learning laut einer Untersuchung der Berlecon Research Gruppe allein in Deutschland ein Volumen von zwei Milliarden Euro erreichen. Die geschätzten Wachstumsraten liegen bei jährlich 50 Prozent. Trotzdem sind viele Unternehmen derzeit noch misstrauisch und halten sich zurück. Ein Grund dafür ist die unübersichtliche Vielfalt an Angeboten. Außerdem wird die Qualität der Angebote oft skeptisch betrachtet. Derzeit setzen erst sieben Prozent der von den Berlecon-Forschern befragten Unternehmen auf E-Learning. Am häufigsten nutzen Firmen aus der IT-Branche, Banken und zunehmend auch Versicherungen die neue Methode der Weiterbildung. Ein Blick über den Großen Teich könnte Aufschluss über die weitere Entwicklung bei uns in den nächsten Jahren geben: In den USA betrug der Anteil des E-Learnings an den gesamten Weiterbildungsaktivitäten von Unternehmen 1998 bereits 23 Prozent und wird sich bis zum Jahr 2004 nach einer Prognose des Marktforschungsinstituts IDC auf 65 Prozent erhöhen.

Prüfen und vergleichen

Aller Anfang ist schwer. Diese Regel gilt auch für das derzeitige Weiterbildungsangebot im Netz. So gibt es bei den Anbietern von Online-Kursen erhebliche Qualitätsunterschiede und inhaltliche Defizite. Wer sich nicht genau informiert, kann eine böse und unter Umständen teure Überraschung erleben. Damit für die Pioniere des E-Learning das Lernerlebnis zum Erfolg wird, sollte jeder vor Vertragsabschluss das Angebot genau prüfen. Ein gutes Angebot sollte neben einem ansprechenden Web-Auftritt die persönliche Betreuung des Kursteilnehmers garantieren und zusätzliches Lernmaterial bereitstellen. Um effektiv arbeiten zu können, sollte man allerdings über einen schnellen und zuverlässigen Netzzugang verfügen. Die Facette der angebotenen Kurse reicht derzeit von verschiedenen Fremdsprachen bis zu Angeboten der beruflichen Weiterbildung.

Stefan Moser

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