Blitzkrieg gegen einen großen Vogel - wissenschaft.de
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Blitzkrieg gegen einen großen Vogel

Der Moa wurde von den Maoris in Neuseeland in nur 160 Jahren ausgerottet. Die polynesischen Kolonisatoren aßen die Laufvögel einfach auf.

Besichtigen kann man sie nur noch als Nachbildungen im Te Papa-, Auckland- und Canterbury-Museum in Neuseeland: Moas. Das ist der Maori-Name für Aves dinornithiformes – überdimensionale Laufvögel, die etwa seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. in Neuseeland unerbittlich gejagt wurden. Unklar ist derzeit, ob alle Moa-Arten erst vor knapp 400 Jahren endgültig ausgestorben sind oder schon viel früher. Einigkeit besteht darüber, daß die errechnete Population von 158 000 Vögeln einzigartig schnell der Ausrottung zum Opfer fiel. Die neuseeländischen Archäologen Holdaway und Jakomb sprechen von weniger als 160 Jahren – eine blitzkriegähnliche Vernichtung durch die polynesischen Kolonisatoren Neuseelands, die Maori. Die entscheidenden Faktoren für die Geschwindigkeit, mit der die Moas ausgerottet wurden, sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Güte des Fleisches und die vergleichsweise einfachen Jagd auf das flugunfähige Tier. Fazit: Der Moa wurde nachhaltig und unwiederbringlich bis zu seiner Auslöschung aufgegessen – ein typischer Fall menschlicher Überausbeutung einer leicht verfügbaren Ressource. Archäologen haben etliche Schlachtstätten und Plätze, an denen die Tiere gekocht wurden, eindeutig identifiziert. Viele Moa-Skelette wurden gefunden, an denen die für den Verzehr besten Teile fehlten. Aufgrund ihrer Größe waren die Moas sehr auffällige Tiere. Am größten war Dinornis giganteus mit ungefähr zwei Metern Schulterhöhe, mit ausgestrecktem Kopf maß er sogar bis zu 3,60 Meter. Der kleinste Moa war Euryapteryx curtus. Er wog immerhin zirka 20 Kilogramm und hatte die Größe eines stattlichen Truthahns. Es gab elf verschiedene Moa-Arten. In Neuseeland existiert inzwischen noch ein entfernter Verwandter: der Wappenvogel Kiwi. Auffällig ist, wie viele Wissenschaftler sich zur Zeit für den Moa interessieren. Prof. Diana Hill von der Otago Universität in Neuseeland zum Beispiel versucht mit ihrem Team, per Molekularbiologie möglicherweise erhaltene Erbsubstanzreste zu klonen. Eine Chance stellen dabei mehrere hundert Moas dar, die im neuseeländischen Sumpfland versunken sein sollen. Die Forscher hoffen, mit etwas Glück dort Federn oder mumifizierte Hautreste zu finden. Neben forschungsrelevanten Ergebnissen, die sich die Universität von diesem Projekt verspricht, sind auch kommerzielle Gesichtspunkte im Spiel. Denn wenn es beispielsweise gelänge, das Wachstumshormon-Gen einem Straußen zu injizieren, könnte dies die Straußenfarmer in Hochstimmung versetzen: Das Ergebnis wäre vielleicht ein noch größerer Vogel, der das Futter auf noch effektivere Weise in Fleisch umwandelt.

Susanne Roeder

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Teil|fins|ter|nis  〈f. 9; Astron.〉 Verdunkelung eines Teils eines Himmelskörpers, partielle Finsternis

♦ zy|klo|nal  〈Adj.; Meteor.〉 durch eine Zyklone bestimmt, niedrigen Luftdruck verursachend

♦ Die Buchstabenfolge zy|kl… kann in Fremdwörtern auch zyk|l… getrennt werden.

Kunst|his|to|rie  〈[–ri] f. 19; unz.; selten〉 = Kunstgeschichte (1)

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