Wildpflanzen erhöhen Erträge in benachbarten Feldern Buchstäblich blühender Pflanzenschutz - wissenschaft.de
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Wildpflanzen erhöhen Erträge in benachbarten Feldern

Buchstäblich blühender Pflanzenschutz

Mit der Natur, statt gegen sie – wie effektiv dieses Konzept sein kann, haben nun Schweizer Agrarökologen eindrucksvoll gezeigt: Blühstreifen aus Wildblumen schützen benachbarte Weizenfelder vor Schädlingsbefall und erhöhen die Erträge deutlich.

Bereits seit einiger Zeit sorgen ökologisch bewusste Bauern wieder für Natur-Oasen im Bereich ihrer Nutzflächen: Sie säen Wildpflanzen-Mischungen aus, die zu sogenannten Blühstreifen, Säumen oder Buntbrachen heranwachsen. Diese Maßnahmen werden in Deutschland auch bereits teilweise durch öffentliche Einrichtungen gefördert. Ziel ist es, die Biodiversität zu erhöhen und Tieren natürliche Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Rückzugsbiotope zu bieten.

Klar war bereits, dass sich darunter auch landwirtschaftliche Nützlinge befinden, die einen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung leisten können. Die Forscher um Matthias Tschumi vom Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope haben nun gezeigt, wie wichtig dieser Aspekt ist.

Ertragssteigerungen um bis zu zehn Prozent

Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler 20 Weizenfelder in den Kantonen Zürich und Aargau untersucht. Zehn von ihnen besaßen einen bunten Rahmen aus Wilder Möhre, Wiesen-Margeriten, Echtem Labkraut und rund 40 weiteren heimischen Wildpflanzen. Bei der anderen Hälfte der untersuchten Felder fehlte dieser Ackersaum. Der Vergleich der beiden Anbaukonzepte kam zu dem Ergebnis: Die Weizenfelder mit Blühstreifen erbrachten bis zu zehn Prozent höhere Erträge als die Vergleichsflächen. Das entspricht einem Gewinn von rund 350 Schweizer Franken pro Hektar, sagen die Forscher.

Sie führen den Effekt der Blühstreifen auf den reduzierte Schädlingsbefall zurück. Das betrifft vor allem die berüchtigten Getreidehähnchen: Diese Käfer nagen besonders intensiv an den Weizenerträgen. Den Forschern zufolge waren die gefräßigen Krabbler und auch ihre Larven in der Nachbarschaft der Säume oder Buntbrachen deutlich seltener zu finden. Dies liegt daran, dass die Naturstreifen Feinden der Schädlinge – wie Laufkäfern und räuberischen Wanzen – Schutz und zusätzliche Nahrung bieten.

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Ein Blumenstrauß an positiven Effekten

Somit lautet das Fazit: Landwirte tun mit den Blühstreifen nicht nur der Natur etwas Gutes, sie bekommen auch etwas zurück. Die bunten Säume erfüllen damit ausgesprochen vielfältige Funktionen: Sie bringen wieder mehr Biodiversität in landwirtschaftlich genutzte Regionen, fördern den Artenschutz und können einen beachtlichen Beitrag zum Pflanzenschutz leisten. Und auch ein weiterer Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben: Wildblumen sind schön! Ein Spaziergang durch bunt gesäumte Felder kann Menschen viel Freude schenken.

Quelle: The Ecological Society of Germany, Austria and Switzerland (GfÖ)

© natur.de – Martin Vieweg
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